Von Hängematten und Ruinen
Nun sind wir hier in Tulum im Casa del Sol, einer traumhaften Unterkunft mit einer riesigen Dachterrasse mit vielen Hängematten, in denen man bei der Hitze herrlich entspannen oder Spanisch lernen kann. Es gibt hier sogar eine Traveller-Küche, in der wir uns selbst bekochen können, eine sehr nette Herbergsmutter - Lucy - die aber leider kein Englisch spricht, dafr aber hemmungslos auf Spanisch auf einen einredet. So haben wir hier schon den einen oder anderen Abend in der riesigen Küche unser eigenes Mahl zubereitet, gemeinsam mit anderen Reisenden aus verschiedensten Ländern. Vor einigen Tagen haben wir uns die Ruinen von Coba angesehen.
Ein Meisterwerk der Mayas mitten im Dschungel, ein riesiges Areal mitten im Dschungel mit einem gut erschlossenen Wegenetz, riesigen Opfersteinen, bei deren Anblick ich mir damalige dramatische Rituale und Opfer- Zeremonien zur Huldigung der Götter gut vorstellen kann. Die ganze Dramaturgie wird durch den Dschungel, den vielen Moskitos und fremdartigen Vogelrufen unterstrichen. Ganz in der Nähe war noch ein großer See, in dem es Krokodile gab. Wir hatten sogar das Glück, dass eines ganz nah am Ufer war, sodass ich ein paar Kroko-Fotos machen konnte.
Zurück nach Tulum sind wir von Coba getrampt, da der Bus erst so spät fuhr und auch so „teuer” war. Ein chilenisch-mexikanisches, älteres Paar aus den USA hat uns netterweise mitgenommen. An einem Hängematten-Strassenstand haben wir einen Zwischenstopp eingelegt. Hier konnten wir sogar sehen, wie diese genialen farbenfrohen Hängematten eigentlich hergestellt werden. Ein 11jähriges Mädchen hat mir dort gezeigt, wie sie das Material verwebt. Eine wirklich schöne Handarbeit und zur Herstellung einer einfachen Hängematte werden 2 ganze Tage benötigt. Verkauft werden sie dann direkt an der Strasse für umgerechnet 11 Euro. Also spottbillig und wenn ich mir den Stundenlohn ausrechne, der dann abzüglich der Materialkosten daraus resultiert, dann denke ich, es ist so vieles ungerecht und die Armut begegnet einem überall. Dennoch sind viele Menschen hier trotz einfachem Leben und ganz anderen Bedingungen sehr freundlich, begegnen uns sehr offen und wir hören hier des öfteren ein freundliches “bienvenidos„ - willkommen.
Hier wird soooo viel Musik gespielt, dass man selber eigentlich keinen MP3-Player mehr einschalten muss. Verschiedenste Musikrichtungen an allen möglichen und unmöglichen, unvorstellbaren Orten. So gingen wir zum Beispiel gestern abend so gegen 22.00 an einer Apotheke vorbei, welche mit kubanischer Tanzmusik beschallt wurde. Neben Tabletten, Medikamenten, Tropfen und Cremes wurden in den Regalen der Apotheke auch noch Chips, Zigaretten und Cola angeboten - fehlt noch, dass man dort alkoholische Getränke kaufen kann. Eine Angebotskombination, die in Deutschland und manch anderen Ländern nicht denkbar wäre.
Bei Cuba Libre und mexikanischen Tequilla haben wir auch schon wunderschöne Livemusik mit Harfe, Akustik-Gitarre, Bongos und Gesang genossen. Es wurden ganz unterschiedliche Lieder gespielt, aber alle im kubanischen und karibischen Einflüssen. Herrlich, da geht einem das Herz auf! Nur die Kopfschmerzen am Tag danach machen es für mich zu einem eher nicht zu wiederholendem Ereignis - zumindest was den Cuba Libre und den Tequilla betrifft.
So langsam haben wir das Gefühl, hier angekommen zu sein, uns akklimatisiert zu haben und ich denke, ich begreife so langsam, dass wir nun erst einmal viel Zeit haben, um Dinge zu tun, für die in der normalen Arbeitswelt keine Zeit war. Ein Traum, der nach langem Herbeisehnen nun endlich Wirklichkeit ist. Langweilig wird uns hier so schnell nicht, dafür haben wir uns ja auch einiges vorgenommen. Neben dem Reisen, Erleben und Erkunden wollen wir ja auch die spanische Sprache lernen. Ich bin schon fleißig dabei und hoffe, dass ich täglich meinen Sprachschatz erweitere, um diese Sprache irgendwann dann hoffentlich fließend zu sprechen - Möglichkeiten zum Üben gibt’s hier jedenfalls genug. In diesem Sinne sage ich jetzt einfach mal „hasta pronto y buenas noches senoras y senores”… (Nana)
