Tikal - Die verlorene Welt

Es gibt verschiedene Wege diese imposanten Mayaruinen zu besichtigen. Entweder man bucht in einer Agentur ein komplettes Paket mit Hin-, Rückfahrt, Eintritt und einem Guide - also das Rundum-Sorglas-Paket - oder man kauft sich nur ein Ticket für die Hin- und Rückfahrt und sucht sich, wenn gewünscht einen Guide vor Ort. Komplettpakete sind natürlich immer die Teuersten und werden auch meistens in US-Dollar abgerechnet. Da haben wir uns dann lieber für eine einfache Hin- und Rückfahrt entschieden. Einen Guide können wir uns vor Ort bestimmt auch günstiger suchen oder wir nehmen einfach unseren Reiseführer als Infoquelle mit, haben wir uns gedacht. Unser Ausflug von Flores nach Tikal klappte leider erst beim zweiten Anlauf und auch dann nicht sofort.

Eigentlich hatten wir schon am vergangenen Sonntag vor, nach Tikal zu fahren. Nachdem wir aber morgens um 5.00 nicht abgeholt wurden, sind wir dann vormittags zu der Agentur (AdrelinaTours) gegangen, bei der wir die Tickets gekauft hatten, um die Sache aufzuklären. Die Angestellte war sehr nett, hat sich entschuldigt und gefragt, ob wir unser Geld zurück haben möchten oder ein anderes mal fahren möchten. Naja, kann ja mal passieren dachten wir und haben bei der selben Agentur die Hin- und Rückfahrt für nächsten Sonnabend umgebucht. Am Donnerstag hat der Besitzer unserer Sprachschule (Dieter), der als Architekt bei den Ausgrabungen und Restaurierungsarbeiten die Statik der Ruinen überprüft, netterweise noch ein paar Tipps und eine kleine Einführung in die Geschichte von Tikal gegeben. Jetzt brauchten wir auch keinen Guide mehr und in unserem Reiseführer steht schließlich auch relativ viel über die Ruinen.

Am Sonnabend klingelte dann wieder um 4.00 morgens der Wecker. Und wie wir es schon fast befürchtet haben, wurden wir wieder nicht abgeholt. Um das Ganze dann am nächsten Wochenende nicht noch ein drittes Mal wiederholen zu müssen, sind wir dann morgens um 5.15 zu einer anderen Agentur gegangen und konnten von dort um 5.30 mit dem nächsten Bus nach Tikal fahren. Eine Stunde später waren wir bei den Ruinen. Und jetzt kommt der Hammer: Nachmittags als wir unser Geld von AdrelinaTours zurückfordern wollten, war draußen an der Tür des Gebäudes, indem noch vor ein paar Tagen die Reiseagentur ihre Zweigstelle hatte, ein Zettel angeschlagen, auf dem stand: Zu vermieten. Wie wir mittlerweile herausgefunden haben, wurde das Büro in Flores einfach geschlossen. Tja, ärgerlich aber 5,-€ für jeden von uns können wir noch verkraften.

Morgens um 6.30 standen wir also am Eingang von Tikal. Um alle Tempelanlagen zu besichtigen wird ein ganzer Tag benötigt. Wir haben die nördliche Zone und den abgelegenen Tempel IV (Tempel der Inschriften) ausgelassen und haben somit sechs Stunden für die Besichtigung der wichtigsten und beeindruckensten Tempel gebraucht. Da wir sehr früh bei den Ruinen waren, sind wir kaum anderen Besuchern begegnet. Tikal liegt mitten im Dschungel. Die Verbindungswege zu den einzelnen Ruinen führen durch immergrünen Regenwald mit 50m hohen Baumriesen von denen Lianen und Schlingpflanzen herab hängen. Manchmal ist das Unterholz aus kleinen Bäumen, Farnen und Dorngestrüpp so dicht, dass die Wege kleinen grünen Tunneln gleichen. In den Baumwipfeln turnen die Affen und es sind viele fremdartige Geräusche von Vögeln und Insekten zu hören. Dieter gab uns den Tipp zuerst den größten Tempel IV(Tempel der doppelköpfigen Schlange) zu besuchen, um von dort ein paar schöne Fotos im Morgengrauen und ohne Menschen zu machen. Mit seinen 64m Höhe ist dies der Höchste aller Tempel. Er überragt das Dach des Regenwaldes und von hier ist ein toller Blick auf die anderen Tempel möglich. Von hier aus sind wir über die einzelnen Tempel, Plätze und Palastanlagen dann wieder bis zum Eingang gegangen. Alle Bauwerke zu beschreiben, würde hier etwas zu weit führen. Wer mehr dazu erfahren möchte, klicke auf hier (ein Link zu Wikepedia).

Die ersten Bauern ließen sich ca. 600 v. Chr. in Tikal nieder. Im 8. und 9.Jahrhundert entstanden alle großen Bauwerke. Der Niedergang von Tikal bleibt wie in den übrigen Regionen der Maya-Welt weitestgehend ein Mysterium. Waren es soziale Umbrüche, Kriege, Naturkatastrophen oder Überlastung der natürlichen Ressourcen? Wahrscheinlich eine Verknüpfung aus verschiedenen Faktoren, die langsam zum Verlassen der riesigen Stadt führte.

Uns hat diese Maya-Stätte sehr beeindruckt. Fünf hoch aufragende Tempel, die über das Dach des Dschungels hinausgehen, gewaltige Paläste und viele kleine Gebäude liegen versteckt im dichten Regenwald. Die Anzahl der Besucher verläuft sich auf der großen Anlage, so dass wir nur in der zentralen Akropolis größere Gruppen mit Guide trafen. Die Kombination aus intakter Fauna und Flora, wenig Besuchern, sowie teilweise restaurierten Gebäuden und teils noch von Wurzeln und Lianen überwucherten Hügeln, unter denen sich noch begrabene Bauwerke befinden, ist ein tolles Erlebnis. Dieser Ort hat etwas Mystisches und Geheimnisvolles. Die gewaltige Dimension der Anlage und Bauwerke erzeugt Respekt vor der Zivilisation, die im Stande war, ohne Eisenwerkzeug und das Rad so beeindruckende Kulturleistungen hervor zu bringen.

Ein Kommentar zu “Tikal - Die verlorene Welt”

  1. Dirk sagt:

    Herzlichen Glückwunsch zu Eurem wirklich eindrucksvollen Tikalbericht.Ich habe mich wie dabei gefühlt, als Ihr morgens durch das Blätterdach des
    Urwalds stießt beim besteigen des höchsten Tempels der doppelköpfigen Schlange, toll !
    Liebe Grüße Eurer Dirk

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