Lanquin
Von Flores aus sind wir über die Provinzhauptstadt Coban in ein kleines Dorf Namens Lanquin gefahren. Hier, an diesem abgelegenen Ort in den Bergen ca. 60km von Coban entfernt, ist das Klima schon sehr viel angenehmer als in Flores. Es ist nicht mehr so drückend heiß, aber immer noch warm genug für kurze Hosen und T-Shirt. Die Berge sind oft Wolken verhangen und jeden Tag gibt es mehrere kurze Regenschauer, welche die Luft ein wenig zum Abkühlen bringen. Das Dorf an sich ist nicht besonders sehenswert. Eine gepflasterte, steil ansteigende Strasse zieht sich zum Dorfmittelpunkt hinauf, wo es eine Kirche, einen Markt, ein Verwaltungsgebäude, eine Bank und viele kleine Tiendas gibt.
In dieser Region leben zum größten Teil Einwohner indianischen Ursprungs, die neben der spanischen Sprache noch die Maya-Sprache „Kekchi” sprechen. Es gibt insgesamt 21 Maya-Idiome. Sie alle hatten vor rund 4000 Jahren einmal die gleiche Sprache, das so genannte Protomaya. Wanderbewegungen führten dazu, dass sich im Laufe der Jahrhunderte eigene Sprachen entwickelten, die zum Teil völlig unterschiedlich in Aussprache und Grammatik sind.
Lanquin liegt auf ca. 500m Höhe an einem Hang, umgeben von tropischem Regenwald und schroffen Felshängen. Durch das Tal dieser Vorgebirgslandschaft fließt der Rio Cahabon, ein Gebirgsfluss auf dem man Raften oder sich einfach nur in großen Gummireifen liegend dahin treiben lassen kann. Am Ortsausgang von Lanquin befindet sich die El Retiro Lodge, in der wir untergekommen sind. Von hier genießt man einen herrlichen Blick auf Weiden, Berghänge und den Regenwald durch den die Dunstwolken ziehen. Unten am Fluß gibt es eine Badestelle, wo man sich an einem Seil festhaltend in die Strömung des Rio Cahabon hängen kann. Die Lodge wird fast ausschließlich von jungen Backpackern besucht. Meistens bleiben sie nur für zwei Tage, um die zwei Naturwunder hier in der Gegend zu besuchen (dazu später mehr). Die Hütten liegen verstreut über ein großes Areal am Hang, mit zum Teil traumhaften Ausblicken. Leider hat dieser Ort auch eine nicht so schöne Seite: Junge Leute aus allen Länder verlangen nach Party und die bekommen sie hier jeden Abend (außer Sonntags oder wenn der Strom gerade ausfällt). Ab 20.00 wird unten im Restaurant die Musik aufgedreht und durch die Happy Hour steigt schnell die Stimmung. Die laute Musik ist nur, in den vom Ursprung weit entferntesten Unterkünften zu ertragen und das sind dann nicht immer die billigsten.
Die Landschaft hier ist sehr schön, doch wären wir nicht hierher gekommen, lägen nicht zwei Naturwunder in dieser Gegend, die zu jeder Guatemala-Reise dazu gehören. Zum einen sind es die Grutas de Lanquin und zum anderen die Kalksteinbrücke von Semuc Champey.
Das Höhlensystem der Grutas de Lanquin erstreckt sich angeblich über 100 km. Am Höhleneingang schießt ein unterirdischer Fluss hervor, der eine türkisfarbene Lagune bildet, in der es sich herrlich baden lässt. Das erfrischend kalte Wasser mündet später in den Rio Cahabon.
Am Eingang der Höhle dröhnt ein lauter Dieselgenerator, der das Höhlensystem für mehrere hundert Meter mit Licht versorgt.
Mehrmals wollten uns „Guides” ihre Dienste anbieten, um uns durch die Höhlen zu führen. Diese sind aber ohne Probleme selber zu begehen, wenn man sich an den beleuchteten Weg hält. Man sollte nur eine starke Taschenlampe dabei haben, falls der Dieselgenerator einmal ausfällt und festes Schuhwerk tragen, da es in den Höhlen extrem rutschig ist. Die Höhlen sind ungefähr auf 400m zu begehen. Dort steht ein riesiger Stalakmit (El Torre = der Turm) und das Licht hört hier auf. Die Höhlen sind wirklich gigantisch. Riesige Dome, tiefe dunkle Abgründe und tolle Felsformationen versetzen einen ins Staunen. Teilweise gibt es in den Fels gehauene Treppenstufen und Geländer zum Festhalten. Es waren nur zwei Gruppen mit uns in den Höhlen, die uns aber schon kurz nach dem Betreten entgegenkamen. So hatten wir die Höhlen fast die ganze Zeit „für uns”. Zurück am Eingang wollten wir in der Dämmerung dann den Flug der Fledermäuse aus der Höhle beobachten. Allerdings wurde es schnell dunkel, so dass wir nur im Schein unserer Taschenlampen eine immer größer werdende Anzahl von Fledermäusen zu sehen bekamen. Es war nicht so spektakulär, wie es im Reiseführer angekündigt wurde. Vor dem Rückweg im Dunkeln durch das Dorf, haben wir uns bei zwei Wachleuten nach der Sicherheit erkundigt. Die haben uns aber versichert, dass es kein Problem ist, im Dunkeln zurück durch das Dorf zu gehen. Auch wir hatten tagsüber immer das Gefühl, dass die Leute hier sehr freundlich sind. Auf dem Rückweg kamen uns dann auch nur ein paar Einheimische entgegen, die immer freundlich zurück gegrüsst haben. Morgen fahren wir nach Semuc Champey. Wir sind gespannt was wir auf diesem Ausflug zu sehen bekommen.
So, nun sind auch die Fotos zu sehen. Gestern war hier um 20.00 Schluss mit Internet. Die Spinnen hier sind uebrigens nicht giftig und die Skorpionestiche sollen angeblich nur fuer 2 Stunden sehr schmerzhaft sein. Koennen wir aber gut drauf verzichten. Viele Gruesse, Tatjana und Helge
Dienstag 22. September 2009 um 08:36
Wie schön und unerschöpflich? ist doch die Natur! Die ganze bunte Palette tut sich vor unseren Augen auf. Ich kanns mir gut vorstellen, aber bei diesem Bericht vermisse ich doch tatsächlich die immer gelungen Illustration aus eurer Kamera. Wird hoffentlich noch nachgeliefert!
Wir warten immer gespannt auf den nächsten Bericht und danken euch für diese mögliche digitale Anteilnahme an eurem Weltenbummel.
Gudrun und Dirk
Dienstag 22. September 2009 um 11:34
eine tolle Höhlen- und Landschaftsbeschreibung,bin immer gespannt auf neue Einträge