Lago de Atitlan
Der Atitlan-See liegt auf einer Höhe von 1562m, also nur ein wenig höher als Antigua. Auf dem Weg hierher sind wir ein Stück auf der Panamerica gefahren. Auf dieser berühmten Strasse, die von Alaska bis nach Feuerland führt, haben sich schon viele Menschen ihren Traum erfüllt. Mit dem Camper, dem Motorrad oder dem Fahrrad auf der Panamerica von Nord nach Süd oder umgekehrt.
Nach drei Stunden Fahrt zu fünft in einem Minibus durch das kurvenreiche Hochland mit teilweise schönen Ausblicken in die Täler, sind wir in Panajachel, der größten und touristischsten Stadt am See angekommen. Mit uns gefahren, ist eine Schwedin, die für drei Monate von Mexico nach Panama reist und ein amerikanisches Ehepaar auf dem Weg in die Staaten. Dieses Ehepaar war die letzen vier Jahre mit dem eigenen Segelboot in der Karibik unterwegs und im nächsten Jahr wollen sie durch den Panama-Kanal in den riesigen Pazifik. Mehr zum Spaß habe ich nach dem Zeitpunkt gefragt, wann es in den Pazifik geht und ob noch zwei Hände (eine von Tatjana und eine von mir, denn auf Segelschiffen hat man ja immer nur eine Hand zum Arbeiten, da man sich mit der anderen festhalten muss) gefragt. Tatsächlich wollen die beiden für die lange Überfahrt noch Leute suchen, die ihnen helfen, aber wann genau es los gehen sollte, stand noch nicht fest. Na ja, mal sehn, vielleicht ergibt sich ja noch was auf der Reise.
Zurück zum Atitlan-See - dort angekommen sind wir alle erst einmal zum Frühstücken gegangen. Es war erst 9.30 und keiner von uns hatte außer ein paar Keksen viel im Bauch. Das amerikanische Pärchen ist dann weiter in eines der sehr ruhigen, kleinen Dörfer am See und wir anderen drei haben uns eine Unterkunft in Panajachel gesucht. Tatjana und ich haben eine sehr schöne und ruhige Unterkunft in einer kleinen Seitenstrasse gefunden. Die Schwedin zog ein anderes Hotel vor, welches auch Einzelzimmer hatte. In den folgenden Tagen am See sind wir der Schwedin (Mimmi) immer wieder an verschiedenen Orten begegnet. So wie wir auch einige bekannte Gesichter aus Antigua wieder gesehen haben.
In der Vergangenheit haben so berühmte Reisende wie Alexander von Humboldt den See als den schönsten der Welt beschrieben. Damals muss dieser tatsächlich eine Perle gewesen sein. Auch heute ist die Kulisse und der riesige Kessel, in dem sich der Atitlan-See befindet, immer noch sehr beeindruckend. Umgeben von drei Vulkanen, steilen Felshängen mit Tälern, in die sich kleine Dörfer schmiegen und gelegen in einem Klima, welches einem schönen Sommertag in Deutschland gleicht, ist der See ein Ort, wo sich viele Ausländer und Guatemalteken ein kleines oder größeres Häuschen gebaut haben. Ausländer können in Guatemala übrigens ohne große bürokratische Hürden ein Grundstück erwerben und viele haben sich ihren Traum mit einem kleinen Hotel verwirklicht. Die drei Vulkane Tuliman (3134m), Atitlan (3537m) und der Vulkan San Pedro (3020m) gelten alle als erloschen und sind bis auf den Atitlan mit dichtem Bergnebelwald bewachsen. Auf den Vulkan San Pedro bin ich hinauf gestiegen - davon aber mehr im nächsten Bericht.
Das Problem, welches sich heutzutage am Atitlan-See ergibt, ist die Balance zwischen Natur und der wirtschaftlichen Nutzung der Region. Dies ist leider erst in sehr geringen Ansätzen passiert. Nur in den Provinzhauptstädten Panajachel und Solola gibt es Kläranlagen. Alle anderen Städte und kleineren Ansiedlungen leiten die Abwässer ungeklärt in den See. Das hat den Algenwuchs so sehr verstärkt, dass in Ufernähe der Städte eine braune Masse aus Algen die Wasseroberfläche bedeckt. Das Schwimmen wird nur noch vom Boot aus oder weit entfernt von den Städten empfohlen. In den 50er Jahren wurde im See der Raubfisch „Black Bass” ausgesetzt, der die einheimischen Fischarten verdrängte. Die Fischbestände im See sind heute fast erschöpft und so bleiben auch schon seit langem die vielen Zugvögel aus dem Norden aus, welche hier früher überwintert haben. Trotz aller ökologischen Probleme hat der Atitlan-See ein beeindruckendes Panorama und befindet sich in einem sehr angenehmen Klima. Bleibt zu hoffen, dass die Regierung mehr in den Umweltschutz investiert und auch das Umweltbewusstsein der hier Lebenden sich ändert. Denn viele Ansässige werfen ihren Müll immer noch dort weg, wo es ihnen am besten passt - einfach aus Unkenntnis über die Folgen.
An unserem zweiten Tag sind wir mit dem Boot über den See zu zwei kleineren Städtchen gefahren. Im Dreieck von Panajachel nach San Pedro, dann nach Santiago de Atitlan und wieder zurück nach Pana. San Pedro ist viel ruhiger als die Provinzhauptstadt Panajachel. Hier gibt es viele nette, chillige Unterkünfte. Das Preisniveau ist noch ein wenig niedriger als in Pana. Ein kleiner verwunschener Pfad führt am Wasser rund um San Pedro herum, vorbei an hübschen Unterkünften, kleinen Gärten mit vielen Blumen, Gemüsesorten und Papajas. Am Wegesrand stehen immer wieder Kaffeepflanzen mit noch grünen Früchten - Erntezeit ist im Januar, wenn die Früchte rot geworden sind. Auch hier kann man ganz in Ruhe mit herrlichem Blick auf den See Spanischunterricht bekommen. Oben in der Stadt geht es etwas lauter und hektischer zu - aber noch lange nicht so touristisch wie in Pana. Man hat das Gefühl, dass sich hier nicht alles auf den Tourismus ausgerichtet hat. Als wir gerade einen Falafel aßen, haben wir die Schwedin Mimmi wieder getroffen, die uns noch ein Stückchen begleitet hat. Mal sehn, ob wir sie in Costa Rica wieder treffen. In San Pedro fiel uns auch auf, dass es hier sehr viele verschiedene Religionsgemeinschaften gibt.
Zur nächsten Stadt, Santiago de Atitlan ging es nicht mit einer der kleinen Lanchas sondern mit einem großen Schiff, welches langsam und gemütlich am Ufer des Sees entlang fuhr. Im Hintergrund erheben sich die mächtigen Hänge des Vulkan San Pedro. Santiago de Atitlan ist laut, schmuddelig und hat nicht sehr viel zu bieten. Nach einem kleinem Rundgang und einem Süppchen in einem Restaurante sind wir wieder zurück über den See nach Pana gefahren.
Etwas abseits von Panajachel liegt ein ca. 100 ha großen Naturpark - das Reserva Natural de Atitlan - den wir an einem anderen Tag besucht haben. Auf dem Gelände gibt es neben einer Schmetterlingsfarm, angelegten Wanderwegen und einem Wasserfall, auch ein Besucherzentrum mit vielen Informationen zum Ökosystem Atitlan-See. Der Eintritt hat sich gelohnt. Es hat Spass gemacht durch diesen kleinen, schön angelegten Naturpark zu wandern.