Coban - Kaffee und Orchideen

So, etwas verspätet kommt nun unser Bericht über Coban. Wir haben immer wieder hin und her überlegt, ob wir hier überhaupt einen Stopp einlegen sollen. Denn auf der Hinfahrt nach Lanquin sind wir auch über Coban gefahren und das, was wir aus dem Bus sahen, gefiel uns eigentlich nicht besonders. Der laute Verkehr, das hektische Treiben, die engen Strassen, … das lud nicht gerade zu einem Aufenthalt ein. Andererseits könnten wir die lange Busfahrt nach Antigua durch einen Stopp in Coban, um zwei Stunden verkürzen und das Tolle ist ja, wir haben die Zeit, um uns das Reisen so angenehm wie möglich zu machen.

Nach zwei Stunden Fahrt im „Chicken Bus” sind wir heilfroh in Coban auszusteigen. Es ist einfach unglaublich, wie viel Menschen sich in einen Miniv-Van quetschen können. Man glaubt, jetzt geht aber gar nichts mehr und dann sieht man nach der nächsten Kurve schon das Unglück am Straßenrand stehen: drei Generationen, Oma, Mutter, Enkel heben den Arm. Der Bus hält, der Abkassierer drückt ein wenig von außen, bis die Schiebetür zu geht und fährt außen hängend am Bus weiter mit. Im Bus ist mittlerweile jeder feie Raum ausgefüllt. Kinder werden auf den Schoß Fremder verteilt, Einkäufe füllen im Fußraum jede Lücke, keiner kann sich mehr bewegen. Schlimmer geht nicht mehr oder? Doch es geht! Gestank macht sich breit. Igitt, wer war das? Zum Glück steigen immer mal wieder Leute aus und es gibt einige kleine Erholungsphasen, bis die nächste Schülergruppe oder Großfamilie am Straßenrand auftaucht.

Die Provinzhauptstadt Coban wirkte auf den zweiten Blick weniger abstoßend, als auf der Durchfahrt vor einer Woche. Es ist zwar alles laut und hektisch, aber sie ist auch sauber und in den vielen Cafes, in denen es sehr leckeren Kuchen und Kaffee gab, konnten wir eine Verschnaufpause von dem geschäftigen Treiben um uns herum einlegen.

Coban war bis zum Ende des 2. Weltkrieges ein Zentrum deutscher Kaffeepflanzer. Die sehr nationalkonservativ eingestellte deutsche Volksgruppe in Coban unterstützte die Nazis und so wurden nach Beendigung des Krieges viele der Großgrundbesitzer enteignet und zurück geschickt. Teilweise über die USA, um gegen alliierte Kriegsgefangene ausgetauscht zu werden. Später kehrten viele wieder zurück nach Guatemala. Heute ist ein großteil des Kaffeehandel in der Hand von deutschstämmigen Gualtemateken.

Auf der Finca Dieseldorff, dessen Gründungsvater der Hamburger Erwin Paul Dieseldorff war, machten wir eine 45 minütige Führung mit. 1888 wanderte Dieseldorff, welcher jüdische Vorfahren hatte, nach Guatemala aus und baute seine Kaffeepflanzungen zu einer der größten in dieser Region aus. Dieseldorff war einer der wenigen deutschen Kaffeepflanzer, der Hitler nicht unterstützten. Auf der Finca wird vom Anbau bis zur Verarbeitung alles selber gemacht. Nach der interessanten Führung gab es noch einen frisch zubereiteten Kaffee.

Einen Tag später besuchten wir einen Orchideen-Park, 3km von Coban entfernt. Leider ist die Blütezeit im Dezember und Januar, aber die Führung hat trotzdem Spaß gemacht.

Mit einer Stunde Verspätung sind wir nach drei Tagen in Coban nach Antigua aufgebrochen. Dieses mal aber nicht mit einem der öffentlichen Busse, sondern mit einem direkten Shuttlebus, der nur von Touristen benutzt wird, da dreimal so teuer. Aber eine dafür relativ entspannte, sechs Stunden dauernde Busfahrt ist uns 10,-€ wert.

2 Kommentare zu “Coban - Kaffee und Orchideen”

  1. Claudia sagt:

    Hmm, Kaffee….Ihr ward im Paradies

  2. Örnie sagt:

    in Coban war unser Rainer (Zottel) ein Jahr um über den Göttervogel den Quetzal in dem Nebelwald zu schreiben (Diplom), dort began meine Guatemala-Reise 2000!

    LG, Örnie

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