Semuc Champey

Semuc Champey - das heißt übersetzt: “der Ort, wo sich das Wasser versteckt”. So richtig vorstellen konnten wir uns diesen spektakulären Ort nach der Beschreibung in unserem Reiseführer nicht. Dort wurde von einer Kalksandsteinbrücke geschrieben, unter welcher der Rio Cahabon auf einer Länge von 200m hindurch fließt. Mit darüber liegenden, terrassenförmig angelegten kleinen Pools zum Baden und vielen kleinen und großen Wasserfällen. Hört sich gut an, dachten wir und auch alle bereits dort gewesenen schwärmten von diesem Trip. Aber erst als wir alles mit eigenen Augen gesehen hatten, zerfiel das Bild, welches unsere Vorstellungskraft sich notdürftig zusammengesetzt hatte und wurde ersetzt durch die Wirklichkeit. Ich hoffe die Fotos helfen ein wenig, sich das Ganze vorzustellen - auch wenn tausende Kilometer dazwischen liegen, es vielleicht gerade regnet oder die Temperaturen draußen so gar nicht zu den Bildern passen.

Semuc Champey befindet sich ca. 12km von Lanquin entfernt. Auf der Ladefläche eines Pickup sind wir mit sechs anderen Reisenden auf einer kurvenreichen und hügeligen Piste vorbei an kleinen Siedlungen mit Kaffee-, Mais- oder Bananenplantagen vorbei gefahren. Kurz vor Semuc überquerten wir den Rio Cahabon auf einer alten Hängebrücke. Der Parkplatz vor dem Eingang und dem Kassenhäuschen war leer und unsere Hoffnung auf wenig andere Besucher bestätigte sich, als wir später im Park unterwegs waren. Der Eintritt belief sich pro Person auf 50 Quetzales (ca. 4,50 €). Mit dem Fahrer des Pickup verabredeten wir unseren Rücktransport auf fünf Stunden später. Ein paar hundert Meter nach dem Eingang sahen wir die ersten türkisfarbenen Wasserbecken durch die Bäume schimmern. Die anderen unserer Gruppe waren schon bald verschwunden, denn schon am ersten Pool kamen wir nicht ohne ein Bad zu nehmen vorbei. In diese Farben musste man einfach eintauchen. Schade, dass ich nicht an eine Taucherbrille gedacht habe. Denn das glasklare Wasser war voller kleiner Fische - ähnlich wie in den Cenoten in Mexiko, nur das hier die unheimliche Atmosphäre von Unterwasserhöhlen fehlte. Die Badehose wurde nun gar nicht erst wieder ausgezogen, denn die nächsten 200m ging es durch leicht ansteigendes Gelände an einer der schönsten terrassenförmig, angelegten Wasserlandschaften vorbei. Die Terrassen sind ca. 80m breit, an den Seiten ragen rechts und links dicht bewachsene Steilhänge hinauf. Das Wasser ergießt sich vom obersten Becken über 200m in viele, verzweigte, kleinere und größere bis zum untersten, von wo aus es noch einmal über drei größeren Wasserfällen wieder in den Rio Cahabon fließt. Nach mehreren Badestopps konnten wir am obersten Becken angekommen sehen, wie die größten Wassermassen des Rio Cahabon durch eine enge Schlucht unter der Erde verschwinden. Ab hier fließt der eigentliche Fluss unter den Terrassen hindurch, bis er unterhalb des niedrigsten Beckens wieder zu Tage tritt und sich mit dem Wasser, welches als Nebenfluss über die Terrassen läuft, wieder vereint. So bilden die Terrassen eine natürliche Kalksandsteinbrücke über den unterirdischen Teil des Rio Cahabon. Wer, wie schon einigen Leuten passiert, in die enge Schlucht hineinfällt, in welcher der Rio Cahabon unter der Brücke verschwindet, muss sich um seine Rente keine Sorgen mehr machen.So stehts zumindest in unserem Reiseführer beschrieben. Wahrscheinlich gibt es seit dem an dieser Stelle ein notdürftiges Geländer und einen Wächter mit Trillerpfeife, der zu leichtsinnige Touristen schnell zurück pfeifen kann. Von hier aus geht der Weg nun weiter steil bergauf bis zum Aussichtspunkt. Von einer hölzernen Plattform aus, kann hier direkt ein paar hundert Meter tiefer, die ganze Wasserlandschaft bestaunt werden - ein grandioser Ausblick.

So, das war nun sehr sachlich. Zu beschreiben was man fühlt, wenn man durch diese Landschaft wandert oder in den glasklaren, türkisblauen Pools schwimmt, in der Mitte Guatemalas, im tropischen Regenwald, tausende Kilometer von zu Hause entfernt, fällt viel schwerer und würde wohl schnell kitschig klingen - oder klingt es schon kitschig? Eigentlich denkt man die ganze Zeit, in der man sich umschaut nur, was für ein schöner Ort und wie unwirklich zu gleich. Schau mal, wie türkis und glasklar das Wasser… und die ganzen Wasserbecken… da muss ich noch mal rein springen… und hier von dieser Perspektive noch ein Foto… und dort das Getose, wo der Fluss unter der Erde verschwindet, bestaunen…dann den Ausblick auf das Ganze von oben… ist das nicht geil! Und schwups, ist der Ausflug auf einmal vorbei und man sitzt schon wieder auf dem Pickup und fährt zurück. Eigentlich müsste man zu solchen Orten zweimal fahren. Denn erst beim zweiten Mal kann man alles viel bewusster aufnehmen und genießen, ohne das Gefühl zu haben, ich muss bald weiter, damit man in der kurzen Zeit von diesem tollen Ort, wo sich das Wasser versteckt, auch alles sieht.

3 Kommentare zu “Semuc Champey”

  1. Gudrun und Dirk sagt:

    ein toller Bericht… als wären wir selber dabei gewesen, so lebendig und absoltut unkitschig ist diese Erlebnisbeschreibung; weiter so!
    Eure Mapa

  2. Nathalie sagt:

    Absolut wunderschöne Fotos…da muss ich hin…unbedingt!

    Weiterhin alles Gute auf der Reise…Nathalie

  3. Verena & Jan sagt:

    klingt echt super, was Ihr da erlebt…
    unsere Erlebnisse (wenn auch grad auf eine anderen Ecke der Welt in Südostasien) spiegeln aber ähnliche Gefühle wider …

    Klasse Seite - Kompliment!

    Wir wünschen Euch viel Spaß - wenn wir uns mal treffen wär das riesig, ansonsten profitieren wir einfach von den gegenseitigen Erfahrungen

    Grüße
    Verena & Jan

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