WM in Chile, kleinere Ausflüge und der Cerro Pochoco

Würde es danach gehen, welches Land feiert am heftigsten, dann wäre Cihle sicher noch mit von der Partie. Nach jedem Spiel der Chilenen wurde der Sieg auf dem Plaza Italia gefeiert, als wenn die Mannschaft den WM-Titel nach Hause geholt hätte. Ein riesiges Aufgebot an Polizei, Wasserwerfern und Carabineros zu Ross haben dabei die Sicherheit gewährt und die Hauptstadt Chiles vor all zu grossen Krawallen geschützt. So, wie die Chilenen hier die WM und ihre bisherigen Siege und den Einzug ins Achtelfinale feierten, haben wir noch keine WM-Feier erlebt. Es herrschte wirklich Ausnahmezustand, während des Spieles waren die Läden geschlossen, die Strassen wie leer gefegt, es war schwierig ein Taxi zu bekommen, rund um den Plaza Italia sind die Strassen gesperrt, überall flatterten Chileflaggen und nach dem Spiel zogen alle trommelnd, trötend zum Plaza Italia. Dabei floß auch jede Menge Alkohol. Teilweise wurde die Stimmung auch etwas agressiv. Auch wir haben uns mal zu dritt nach draussen auf die Strasse gewagt, um ein paar WM Eindrücke zu sammeln. Für unsrer kleine Chilenin war das allerdings ein wenig zu laut, so daß wir den kleinen Strassenausflug etwas abgekürzt haben.

In den letzten Tagen haben wir unseren Radius wieder ein wenig vergrössert. So sind wir das erste mal zu dritt auf den Cerro San Christobal gestiegen, waren auf dem Santa Lucia und haben einen Besuch im Pablo Neruda-Museum, dem chilenischen Hundertwasser, gemacht. Jedes Stückchen Weg, welches wir dabei gemeinsam zurücklegten, beflügelt und wir freuen uns jetzt schon auf weitere Ausflüge mit unserer Kleinen in der Manducatrage, die etwas komfortabler ist für alle, für die Jonna momentan aber noch nicht schwer genug ist. So lange schaffen wir uns gegenseitig die Möglichkeit, zumindest immer für einen von uns, kurzfristig dem Großstadtleben zu entfliehen. So war Helge vor ein paar Tagen auf dem Cerro Pochoco, welcher jedoch für Babys und Wöchnerinnen noch nicht so geeignet ist.

Nur ca. 1 Std. mit der Metro und dem Bus entfernt vom Zentrum Santiagos liegt ein schönes Ausflugsziel zum Wandern - der Cerro Pochoco. Dank eines kleinen Wanderführers von Ann und Markus bin ich auf diese, auch ohne Auto leicht zu erreichende Tour gestoßen. Ein Tagesausflug in die Gebirgszüge der Voranden der im Winter angenehmer ist als im Sommer, wenn die Sonne dort erbarmungslos brennt. Bei schönem Sonnenschein aber etwas diesiger Luft, bin ich morgens um kurz nach 10.00 Uhr von unserer Wohnung aus gestartet. Für die letzten Kilometer zum Ausgangspunkt der Wanderung musste ich ein Taxi nehmen, da auf dieser Strecke keine Busse mehr verkehren. Auf dem Parkplatz vor dem Observatorio Cerro Pochoco auf ca. 1000 Meter Höhe stieg ich aus, von wo aus der Wanderweg nach ein paar hundert Metern ziemlich steil bergauf bis zu einem Bergkamm verläuft. Nach den ersten anstrengenden 30 Minuten auf trockenem und losem Untergrund geht es danach bei angenehmer Steigung 1 Std. durch schattiges Gebüsch weiter Richtung Gipfel. Zwischendurch hat man immer wieder tolle Ausblicke in die Seitentäler. Ich habe das Glück und sehe einen Kondor, der vom Aufwind getragen um den Berg segelt. Kurz vor dem Gipfel erreicht man eine Art Plateau von wo aus es noch mal steil hinauf geht. Teilweise mit ein paar Klettereinlagen. Nach 2 Std. bin ich auf dem Gipfel (ca. 1900m) angelangt. Zur einen Seite sieht man die dunstverhangene Großstadt und zur anderen sind die höheren, schneebedeckten Andengipfel zu sehen. Auf dieser Höhe sind im Schatten schon kleine Schneefelder vorhanden. Von hier geht ein ausgetretener Pfad auf dem Bergkamm zum nächsten Gipfel. Vom Ergeiz gepackt, nehme ich nun noch die nächsten geschätzten 400 Höhenmeter in Angriff. Ich bin schon spät dran und so gehe ich zügig auf einem langgezogenen Bergrücken stetig bergauf, bis zum nächsten Gipfel. Unterwegs treffe ich noch einen anderen Wanderer, der mir erklärt, dass der Kondor, den ich fotografiert habe ein 2-3 Jahre alter Macho (zu erkennen an den gespreizten Federn am Ende der Flügel) ist. Teilweise ist der Pfad so aufgeweicht, daß mir eine dicke Schlammschicht unter den Schuhsohlen klebt und ich aufpassen muß, daß ich nicht ausrutsche. Endlich nach weiteren 2 Std. habe ich den nächsten Gipfel erreicht. Ein paar Minuten genieße ich die herrliche Sicht und mache eine kleine Rast, um meine mitgebrachten Brote zu essen. Für den Rückweg mußte ich mich nun beeilen, da ich ja bei 4 Stunden Aufstieg mind. die Hälfte der Zeit für den Abstieg einplanen musste und ich wollt gerne wieder vorm dunkel werden am Parkplatz sein. Um 17.20 war ich dann wieder am Ausgangspunkt. Natürlich wartete hier kein Taxi auf mich und so machte ich mich dann zu Fuß die Strasse entlang auf den Rückweg. Nach 20 Minuten kam das erste Auto vorbei und nahm mich mit bis zur Plaza Enrique, von wo aus die Busse ins Centrum fahren. Es war eine schöne aber auch anstrengende Wanderung. Nach den vielen Wochen in der Großstadt war die Ruhe und die klare Bergluft dort oben wie ein Lebenselexier und so kam ich dann abends zwar mit müden Beinen, aber trotzdem erholt wie nach einer Kur, wieder meinen zwei Mädels an.

5 Kommentare zu “WM in Chile, kleinere Ausflüge und der Cerro Pochoco”

  1. Dirk sagt:

    Tolle Bilder vom Cerro Pochoco und von Euch Dreien in Santiago. Kann mir gut vorastellen , wie befreiend diese Bergtour für Dich Helge gewesen sein muss.
    Grüsse Dirk

  2. Heiner und Diane sagt:

    Beeindruckende Fotos von der Wanderung. Besonders No 24. Es gibt doch in Chile das Europaeische Forschungs Observatorium ESO fuer den suedlichen Sternenhimmel in La Silla Paranal. Kann man das als Nicht-Astronom besuchen? Gut hat uns Matilda gefallen im Chile Football Kit. Macht weiter so. Und Dank fuer das Foto von der Chilenischen Chefin, das hier vor kurzem eintraf.
    Gruss aus dem traurigen England, das 4:1(2) gegen Deutschland verlor. Es weht keine einzige Flagge mehr. Heiner

  3. Gisela sagt:

    Gisela sagt:
    Dienstag 5.Juli 2o1o

    Wenn ich die schönen Aufnahmen von der Bergwanderung und von Euch Dreien
    betrachte, kann ich verstehen, daß es Euch noch nicht heimwärts zieht.
    Gruß Gisela

  4. Gudrun sagt:

    Schneebedeckte Berge wie auf den Bildern vom Cerro Pochosind sind ja für Chile in dieser Jahreszeit nicht ungewöhnlich.
    Doch daß es in Südamerika auch in tieferen Lagen geschneit hat ist nur mit der Erklärung “Jahrhundertwinter” vorstellbar. Wie fühlt sich das in Santiago an???
    Liebe Grüße aus dem deutschen Jahrhundertsommer 2010

    Gudrun,
    die euch noch weitere schöne Reiseerlebnisse zu Dritt wünscht

  5. Eva sagt:

    Hola Tatjana+Helge,

    Felicidades, es una bebe muy simpatica

    Muchos Saludos desde Flores, Guatemala

    Eva
    Your Teacher Spanish

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