Weiter in den Sueden
Bisher zum Glück ohne Polizeikontrollen ging es von Chillan weiter nach Los Angeles. Jetzt sind wir in dem sogenannten kleinen Süden. Diese regenreiche Landschaft mit seinen großen Seen, den schneebedeckten Vulkanen im Andengebirge und den vielen Flüssen war früher das Siedlungsgebiet der Mapuche-Indianer. Bis in die Mitte des 19.Jahrhundert bildete der Rio BioBio die Grenze zwischen dem Gebiet der Weißen im Norden und dem der Indianer im Süden
Kurz vor Los Angeles fuhren wir von der Panamerica ab, um uns die nah gelegenen Saltos de Laja anzusehen. Über ein 50 Meter hohes Felsplateau stürzt der Rio de Laja in die Tiefe und bildet hier den groessten Wasserfall Chiles. Durch die leichte Erreichbarkeit der Fälle war es auch dem entsprechend voll und man hatte teilweise das Gefühl, auf einem Volksfest zu sein. Hier kann wirklich jeder herkommen, Oma, Opa, Enkel und sogar Leuten im Rollstuhl ist es möglich bis an die Wasserfälle zu kommen. Ein fuenfminuetiger Spaziergang führt direkt an die Fälle.Nach dieser kleinen Pause fahren wir weiter auf der Panamerica bis kurz hinter Los Angeles, wo wir uns am Rio BioBio einen Platz für die Nacht suchen wollen. Wie so oft dauert es eine Weile, bis wir endlich eine nette Stelle zum Übernachten gefunden haben. Unsere Vorstellungen passen oft nicht mit der Realität zusammen. Ruhig soll es sein, nicht zu abgelegen, schattig und wenn möglich auch noch am Wasser mit einem schönen Blick. Die Straße am Rio BioBio führt durch eine schöne Wald und Wiesen Landschaft. Mal windet sich der Fluss breit neben der Straße dahin, mal tief in eine Schlucht gegraben. Immer wieder bieten sich herrliche Aussichten auf den Fluss und die umliegenden Bergkaemme oder den Vulkan Copahue, über dessen Gipfel die Grenze nach Argentinien verläuft. Drei Tage bleiben wir im Tal des Rio BioBio. Oberhalb von Ralco an einem riesigen Stausee endet für uns die Weiterfahrt an diesem Fluss, da hier die asphaltierte Landstraße zur geschotterten Piste übergeht. Wenn wir mit unserem Bus über diese Pisten fahren, haben wir manchmal das Gefuel über ein überdimensionales Waschbrett zu eiern. Das ist mit unserem Bus, der dafür nicht gebaut ist, sehr anstrengend. Theoretisch könnte man von hier mit einem höher gelegten Wagen und Vierradantrieb über die Grenze bis nach Argentinien fahren. Wir kehren hier um und fahren die schön geschwungene Straße zurück auf die Panamerica.
Weiter geht’s über Temuco, wo wir einen kurzen Stopp einlegen und das Museum Regional de la Aurakania besuchen. Es zeigt die Geschichte der Region, die frühere Lebensweise der Mapuche-Indianer, ihre Handwerksarbeiten und die Eroberung der Region durch die Spanier und die Kolonisation durch die Deutschen. In Temuco fallen uns zum ersten Mal die deutschen Namen in Firmenbezeichnungen und als Straßennamen auf. Nach einem Rundgang durch die Stadt und dem Besuch des Mercado Municipal mit Kunsthandwerkerstaenden und einigen Fischrestaurants, setzen wir unsere Fahrt fort, um noch am selben Tag bis nach Villarica zu fahren. Am Largo Villarica finden wir einen Platz für die Nacht. Die Region um den Largo ist wunderschön, nur sollte man hier besser nicht in der Hauptsaison erscheinen. Dann geht es hier zu wie am Timmendorfer Strand im Sommer. Villarica gefiel uns als Stadt ganz gut. Nicht ganz so überlaufen, wie das kleinere Pucon und mit Blick auf den wunderschön, ebenmaessig geformten Vulkan Villarica mit seiner weißen Schneekappe. Fast immer ist eine dünne Rauchfahne aus dem Krater des Vulkans zu sehen. Mit dem Wagen haben wir ein wenig die Umgebung von Pucon erkundet und sind ein kleines Stück in den Parque National de Villarica zum Salto de China (siehe Bilder im Anhang) gefahren.Von Villarica ging es über Lican Ray zu den Thermas Geometrica (siehe nächster Artikel) und weiter nach Panguipulli am gleichnamigen See. Immer wieder trifft man in dieser Gegend auf alte Artefakte der deutschen Kolonisation. Hier in Panguipulli sind es zum Beispiel alte Dampfmaschinen aus Europa, die früher in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt wurden und welche hier am See als Denkmal aufgestellt wurden. Panguipulli nennt sich auch die Stadt der Rosen. Vor der schönen Kirche aus dem Jahre 1947 und am Rande der Straßen wurden viele Rosen gepflanzt. Morgens nachdem wir am See gefruehstueckt haben, machen wir einen kleinen Spaziergang am Seeufer entlang in die kleine Stadt. Wirft man einen Blick über den schönen See, ist auf der gegenüberliegenden Seite der Vulkan Choshuenco (2415m) zu sehen. Am Seeufer erblicke ich ein Schild von der Fischerreibehoerde, auf dem steht, man solle nicht mehr als drei Truchas (Forelle auf spanisch) am Tag fangen. Das regt meine Phantasie an und ich sehe mich schon Nachmittags, angelnd von einem Boot auf dem See mit einem Biss nach dem anderen. Aber leider kommt es anders und statt einen Nachmittag angeln zu können, verbringen wir diesen bei den Carabineros. Nach dem wir von unserem Spaziergang zurück kommen, bemerken wir das alle Knöpfe der Autotüren oben sind. So haben wir das Auto nicht verlassen. Nach einem Blick ins Auto stellen wir schnell fest, hier wurde eingebrochen. Mein großer Rucksack mit vielen Sachen fehlt und Tatjanas kleiner Rucksack, indem auch unser Laptop, alle Adapter, Aufladegeräte und die Unterlagen von unserem kleinem Nachwuchs waren. Mehr als ärgerlich ist das Ganze und so verbringen wir den Nachmittag bis zum Abend bei den Carabineros. Das Auto wurde sogar nach Fingerabdrücken geprüft und auch unsere 10 Fingerabdrücke sind jetzt in den unendlichen Tiefen der Bürokratie chilenischer Carabineros verschwunden. Grosse Hoffnungen machen wir uns nicht, dass irgendetwas wieder auftaucht. Naja, jedenfalls hatten wir bei der Polizei das Gefühl, das alles Mögliche gemacht wurde. Da es schon dunkel war, nachdem wir bei den Carabinero “entlassen” wurden, verbrachten wir noch eine unruhige Nacht im Bus in Panguipulli. Am nächsten Tag haben wir uns dann bei unserem ersten Regentag, seitdem wir in Chile sind, auf dem Weg nach Valdivia gemacht. Eine groessere Stadt am Meer, wo wir versuchen werden ein paar unserer verloren gegangenen Dinge wieder zu besorgen.
Mittwoch 3. Februar 2010 um 10:11
Traumfotos, trotz Alptraum “Auto aufgebrochen”. Gott sei Dank ganz ohne Personenschaden!!!!
Beim Anblick der Bilder freuen wir uns schon auf Chile und das Wiedersehen mit Euch! Und wir bringen auch gerne das sog. “Unersetzliche” und “in Chile “schwer zu Beschaffende” mit.
Gudrun und Dirk
Sonntag 14. Februar 2010 um 17:52
…uich bin auch froh, dass euch nichts passiert ist, aber ärgerlich ists allemal.
lassts euch gut gehen in diesem traumhaft schönem chile.
glg jana