Weihnachten in Pichilemu

Weihnachten in Chiles Surfer-Hochburg Pichilemu. Hier werden die jährlichen, nationalen Meisterschaften im Wellenreiten ausgetragen. Seit dem wir in Chile sind, hat es kein Mal geregnet und die Sonne brennt hier sehr stark, so dass wir uns mit Lichtschutzfaktor 30 und Hüten vor der Sonne schützen. Gefährlich wird die Sonne durch den relativ kühlen, frischen Wind am Meer, wodurch ein Sonnenbrand viel zu spät bemerkt wird. Die Surfer haben durch ihren Sunblocker alle weiße Gesichter und Hände. Ansonsten sind sie durch dicke Neoprenanzüge vor Sonne und Kälte geschützt. Die Landspitze Punta de Lobos bei Pichilemu, mit bis zu 6 Meter hohe Wellen, wird nach unserem Reiseführer in der Surferszene in einem Atemzug mit Hawai und Australien genannt.

Seit 10 Tagen sind wir nun mit unserem „Camper” an der Pazifikküste Chiles unterwegs und (toi, toi, toi) nach den ersten 600km schnurrt der Motor noch wie eine koreanische Katze - solange man nicht über 100 km/h fährt. Von Santiago aus sind wir an die Pazifikküste gefahren. Das Meer kündigt sich durch eine kühlen, frischen Wind an, der die Temperatur auf angenehme, geschätzte 25° abkühlt. Unsere erste Nacht im Auto verbrachten wir in Quintay südlich von Valparaiso. Ein Tipp von Ann und Markus, der sich als wunderbarer Ort - nur zwei Stunden Autofahrt von Santiago entfernt - heraus stellte. Bei einem kleinen Picknic vor unserem Bus, hatten wir hier den ersten Kontakt mit den chilenischen Cabaneros. Der Polizeiwagen hielt neben unseren zwei Stühlen und auf uns zu kam ein Cabanero, der gar nicht recht zu wissen schien, was er eigentlich will. Nach einer kurzen Frage, woher wir kommen und der Frage unsererseits, ob wir hier unser Kaffeepäuschen machen dürften, hat er von uns nur wissen wollen, was „Guten Nachmittag” und „Guten Abend” auf deutsch heiße und ist dann nach einer freundlichen Verabschiedung wieder von dannen gezogen. Der Ort Quintay besteht aus einer kleinen Bucht, mit an den Felshang gebauten Fischerhäusern, Restaurants, Unterkünften und Fischerbooten an einem kleinen Strand. 2 km nördlich öffnet sich eine grosse Bucht. Hier befindet sich der Grand Playa von Quintay mit vielen Sommerhäuschen und Appartments. Zur Zeit stehen diese noch alle leer. Die Hauptsaison, in der fast alle Chilenen ihren Urlaub planen, ist im Januar und Februar. Dann sollen aber alle Orte an der Küste und auch viele Nationalparks im Süden förmlich aus den Nähten platzen. Wir genießen die Einsamkeit an diesem 2 km langen weißen Sandstrand. Außer einem Reiter und zwei Spaziergängern ist an dem ganzen Vormittag kein weiterer Mensch zu sehen. Die Brandung schlägt mit einer ungeheuren Wucht auf und ließ mich nachts in unserem Bus immer wieder aufwachen. Ich habe sogar noch mal die Handbremse kontrolliert, da wir ein kleines bisschen abschüssig zur Brandung standen. Bei einem Tsunami wäre dieser kleine Parkplatz am Strand eine gefährliche Falle. Die einzige Strasse hierher windet sich mit 30° Steigung aus der Bucht hinauf. Morgens hing der Dunst des Meeres noch über dem Strand und erst ganz langsam hat die Sonne es geschafft, den Sand und die Luft etwas auf zu wärmen. Das Wasser ist hier durch den Humboldtstrom eiskalt. In der Brandung sichteten wir unseren ersten Seelöwen, der dort erfolgreich fischte. Nach einem schönen Strandspaziergang ging es an der Küste weiter Richtung Süden. Wir durchquerten einige größere Orte in denen riesige Hotelanlagen bis an den Strand gebaut wurden - noch alles im Dornröschenschlaf. Die ganze Tourismusbranche lebt hier anscheinend zum größten Teil von zwei Monaten. Vor Mirasol fanden wir einen traumhaften Platz an der Steilküste in mitten von Eukalyptusbäumen. Wir genießen es jetzt einfach an den schönsten Plätzen zu halten, unsere Stühle und den Tisch heraus zu holen und einfach immer alles dabei zu haben, ohne viel tragen zu müssen. Nach den ersten zwei Tagen mit dem Bus merken wir schon, dass das jetzt für uns die optimalste Art des Reisens ist. Kurz vor San Antonio geht es noch einmal zurück nach Santiago, um dort die restlichen Papiere für den Wagen abzuholen. Nach einer Übernachtung fahren wir wieder bis San Antonio und von dort aus weiter Richtung Süden bis nach La Boca. In diesem Ort, welcher auf einer 100 Meter hohen Klippe liegt, sehen wir überall Tsunami Evakuationsschilder…Hmm, ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Tsunami auf diese Höhe schafft. Von hier oben hat man einen herrlichen Ausblick auf den Rio Rapel, der hier in das Meer mündet. Unseren Schlafplatz finden wir im Flusstal an einer großen, dunklen Sanddüne. Tags darauf führen uns die Strassen durch braune, trockene Grasweidelandschaften mit Kakteen und vereinzelten Baumgruppen. Die Vegetation ist hier sehr trocken. Ab der Abzweigung nach Pichilemu fahren wir 34 Kilometer durch weitläufige Kieferplantagen mit Sägewerken, die alle 30 Minuten von holzbeladenen Transportern angefahren werden.

So, und Nana wollte auch mal wieder was schreiben… nun kommst Du:

FELIZ NAVIDAD

Ich wollte hiermit einfach allen ein paar herrliche Tage zwischen den Jahren wünschen, hoffe, ihr genießt die Weihnachtsfeiertage, die hoffentlich ruhig und besinnlich sind und sich auf das eigentlich Wichtige besinnen. Feliz Navidad, ja, das wünsche ich vor allem unseren Familien, Verwandten, Freunden und auch Bekannten. Wie wir hier Weihnachten feiern…Bis vor kurzem hätten wir ja noch nicht einmal gedacht, dass wir Weihnachten in Chile verbringen werden. Ja, dann waren wir in Chile, Weihnachten rückte immer näher, unser Auto war auch noch nicht „ganz” gekauft und wir wussten immer noch nicht genau, wohin es uns über Weihnachten verschlagen würde. Bei einem Blick auf Chiles Strassenkarten (die guten, die es an den Copec-Tankstellen zu erwerben gibt), sahen wir einen kleinen Ort an der Pazifikküste eingezeichnet, der sich “Navidad”, also auf Spanisch „Weihnachten” nannte. Gut, da fahren wir hin zu Weihnachten, dachten wir uns. Im Reiseführer war nichts näheres erwähnenswertes über diesen Ort herauszufinden, aber dennoch wollten wir diesen Ort zumindest einmal um die Weihnachtszeit besucht haben. Vor ein paar Tagen waren wir dann tatsächlich in der kleinen Stadt „Navidad”. Aber eigentlich nur, um festzustellen, dass es dort nichts zu holen gab… Ein Ort, etwas nördlich von Pichilemu, jedoch nicht am Meer gelegen, mit ein paar kleinen Läden, einigen Wohnhäusern und ansonsten ziemlich verschlafen. Im Gegensatz zu der kleinen verschlafenen Stadt stand das Ortsschild von „Navidad”, auf dem alles angezeigt schien, was auch nur im entferntesten in „Navidad” vorzufinden sei. Ein Foto von diesem Ortsschild ist auf den Bildern zu sehen. So beschlossen wir, doch nicht in „Navidad” dieses Jahr Weihnachten zu verbringen, und fuhren etwas mehr gen Süden und unser Weg führte uns nach Pichilemu, wo wir nun eine herrliche Unterkunft mit eigener Küche und verteilte Wohn- und Schlafräume auf zwei Etagen, als auch einen kleinen Balkon über die Feiertage gemietet haben. Hier haben wir es uns etwas gemütlich gemacht, wir haben gut eingekauft, da wir hier auch einen Kühlschrank besitzen und genießen die häusliche Atmosphäre für den Moment, da diese beim Campen nicht so ausgeprägt zu Tage tritt.

Ich habe sogar ein paar rote Sterne aus dem roten Pappkarton des ersten Spanischübungsbuches zugeschnitten und wir haben riesige Tannenzapfen gefunden, die ich mit Palmenwedeln und ein paar Tannenzweigen zu einem kleinen weihnachtlichen Gesteck zusammengefügt habe. Auf eine Kerze habe ich bei unserem letzten Besuch in Santiagos Baumarkt bestanden. Und ein kleines Marzipanbrot haben wir auch in Santiago ergattert. Ja, schenken wollen wir uns nichts, dafür machen wir uns einen schönen Tag. Wir geniessen bewusst die viele gemeinsame Zeit, die wir miteinander verbringen können - unser Geschenk für einander und an das Leben. Wir planen einen schönen Strandspaziergang und für abends haben wir uns etwas zum Grillen gekauft und wollen ein kleines Barbeque machen… es gibt hier in unserer Unterkunft in Pichilemu einen Tonnen-Grill, den werden wir dann ausprobieren. Weihnachten, mal etwas anders, aber wir genießen es. Selbst, wenn ich zugegebener Maßen in dieser Zeit oft an Familie und Freunde denke und sie zu einem Teil auch vermisse - so freue ich mich dann schon auf die noch kommenden Weihnachten, in denen die Familie, Freunde und Verwandten nicht so weit weg sind. Die Zeit rast ja so schnell und ich kann es manchmal selber nicht ganz glauben, dass wir schon seit fast einem halben Jahr nun unterwegs sind und ich schon eine „Kugel” schiebe - auch passend um die WeihnachtszeitJ. Anbei ist nun auch ein Beweisfoto über die „Weihnachtskugel”, welches wir gestern kurz nach unserem Strandspaziergang gemacht haben. So, das wars von mir, ich wünsche allen ein „Feliz Navidad” und ein paar schöne Tage zwischen den Jahren, als auch dann natürlich einen guten Start ins Jahr 2010 mit den allerbesten Wünschen von den Weltenstreichern.

3 Kommentare zu “Weihnachten in Pichilemu”

  1. Dirk Thiessen sagt:

    Fröhöliche Weihnacht in die Ferne zu unseren Weltenbummlern!
    Ganz besonders weihnachtlich hat uns Eure “Weihnachtskugel live” gestimmt.
    Viele herzliche und warme Grüße mit den allerbesten Wünschen aus dem kalten Hamburg
    von
    Gudrun und Dirk

  2. Farah Jacob sagt:

    Hallo Ihr lieben,

    Wir haben uns auch über Eure Weihnachtskugel sehr sehr gefreut und wünschen eunch einen guten start ins 2010, passt auf den Kugelschen gut auf und auf den Auto auch, wer weisst vielleicht sind wir die zukunftigen Besitzern.

    Hamburg 31.12.09 16:18 -2C° und schon ca 2cm Schnee

    Rutscht gut! Farah und Guido

  3. Brigitte sagt:

    Aus einer hiesigen weißen Winterzaubermärchenlandschaft mit dem noch bezaubernderen kleinen Bjarne schickt euch Brigitte ganz viele guten Wünsche für dieses neue Jahr,vor allem für das Ausbrüten der Weihnachtskugel!!!!

    Jesteburg,13.1.2010

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