Unsere kleine chilenische Chefin…

… gibt den Ton an und wir tun alles, um es ihr Recht zu machen. So langsam gewöhnen wir uns an die neue Situation, stellen uns nicht mehr ganz so unbeholfen an und bekommen auch meistens genug Schlaf. Die ersten Ausflüge und wichtigsten Behördengänge haben wir hinter uns und wir sind jeden Tag aufs neue von unserer kleinen Fee verzaubert und freuen uns wie Schneekönige, wenn sie uns mal ein Lächeln schenkt. Die Lütte bestimmt nun weitestgehend den Tagesablauf, alle 3 Stunden eine Mahlzeit, ne neue Windel oder einfach nur aufn Arm und lieb gehabt werden……usw….. das, was alle Eltern so mit ihren Babys erleben :-)

Mein erster Behördengang ging schon am dritten Tag nach der Geburt zum Registro Civil, wo ich meine Vaterschaft anerkennen ließ und die offizielle chilenische Geburtsurkunde ausgestellt bekam. Außerdem hat die nette Beamtin mir auch gleichzeitig noch eine Kopie aus dem Geburtenregister mitgegeben. Den würde ich nämlich später bei der deutschen Botschaft benötigen, um den Pass zu beantragen. Die Vaterschaft kann in Chile jeder x-beliebige Mann eintragen lassen, der mit dem Geburtsnachweis vom Krankenhaus beim Registro Civil erscheint. Nach deutschem Recht hat immer auch die Mutter der Vaterschaft zuzustimmen, weswegen wir auch beide bei der deutschen Botschaft erscheinen mussten, um dort zu unterschreiben.

Als nächstes stand die Beantragung des deutschen Passes auf dem Zettel. Die Website der Botschaft brachte leider nicht die erhoffte Aufklärung, sondern nur noch mehr Verwirrung. Dort war die Rede von Namenserklärung, Geburtsanzeigen, Legalisierung von Urkunden… Um mir einen Durchblick zu verschaffen, bin ich einfach erst einmal nur mit dem ausgefüllten Antrag zur Namenserklärung und den erforderlichen Kopien zur Botschaft. Kamera und Handy mussten bei der Sicherheitsschleuse abgegeben werden. Nachdem ich auch hier eine Nummer bekam (wie auch sonst überall in Chile) hat mich eine nette Angestellte aufgeklärt, wie das ganze Verfahren abläuft. Am nächsten Mittwoch habe ich wieder einen Termin bekommen, zu dem Tatjana mitkommen musste, um ebenfalls zu unterschreiben und die Vaterschaft anzuerkennen. Außerdem brauchten wir 2 biometrische Passfotos von Jonna, die wir bei einem der zwei Fotografen in Santiago machen ließen, die von der Botschaft dafür zugelassen sind. Hier kostete es einige Mühe, die Kleine aus dem Schlaf zu holen, um von ihr ein Foto mit geöffneten Augen machen zu können. Wir mussten ihr Köpfchen mit viel Wasser kühlen, um sie aus dem Reich der Träume zu holen und sie war die Attraktion im Fotoladen. Mit einem Stapel von ausgefüllten Formularen und Kopien sind wir eine Woche später wieder zur Botschaft. Die Angestellten waren alle sehr nett und wir durften feststellen, dass sich die deutschen Kreise in Santiago schliessen und wir schon im Vorfeld bei der Amtsrätin angekuendigt worden waren, in deren Büro wir zur Unterschrift mussten. Ihr wurde unser Kommen schon von der deutschen Kinderärztin, bei der wir ein Tag zuvor waren, voraus gesagt. Wie klein die Welt doch ist. Nach einem Haufen Unterschriften konnten wir das Gelände der Botschaft wieder verlassen. In 6-8 Wochen soll der deutsche Reisepass für Jonna fertig sein.

Als nächstes stand nun der chilenische Reisepass/Personalausweis für Jonna auf unserer To-DO-Liste. Dies erwies sich aber im Gegensatz zur deutschen Beantragung als viel einfacher und komplikationsloser. Wir sind einfach zu dritt zum Registro Civil, wo wir am Schalter für Preferencia auch schnell an der Reihe waren. Wir mussten die chilenische Geburtsurkunde von Jonna vorzeigen, es wurde wieder ein Foto von Jonna gemacht, wobei es die chilenischen Behörden mit den Augen nicht so eng sahen, da sie gerade schlief. Und dann noch ein Daumenabdruck ihres winzig kleinen Minidaumens per Infrarot für den chilenischen Pass und die „cedula de indentidad”. Alles hat sie anstandslos mitgemacht ohne zu meckern. In 2 Wochen können wir ihren Pass und Personalausweis abholen. So einfach kann das sein.

Zum Notar mussten wir drei dann auch noch, um für Jonna eine Bescheinigung und Ermächtigung zum alleinigen Reisen mit nur einem Elternteil oder anderen Personen aus dem Land auszustellen…auf Spanisch:”Permiso para viajar sin sus padres y con otras personas” . Hätten wir die nicht, könnten wir nur gemeinsam mit Jonna ausreisen, solange sie noch nicht ihren deutschen Reisepass hat.

Ja, so ein neuer Erdenbürger macht einiges an Behördengängen erforderlich, auch in Chile. Aber so langsam haben wir das Gröbste beantragt und hoffen, dass nun alles gut klappt.

Zwischen und nach diesen ganzen formellen Amtsgängen haben wir aber auch unsere ersten kleinen Ausflüge mit Jonna im Tragetuch sehr genossen. Für ein bis zwei Stunden zum Spazieren in den nahe gelegenen Park, mit einem Päuschen in einem Café oder auf den San Christobal. Langsam versuchen wir unseren Radius für Ausflüge und Unternehmungen immer weiter auszudehnen, damit wir hier dann auch bald die Zelte abbrechen können. Wir haben aber auch noch genügend Dinge, die wir uns gerne ansehen möchten, wozu wir ja in den letzten Wochen aus Mobilitätsgründen nicht gekommen sind. Vielleicht bekommen wir Ende Juli auch noch Besuch von Freunden, die hier in Santiago einen Zwischenstopp einlegen wollen. Tatjanas liebe Eltern, die hier die Ankunft ihres ersten Enkelkindes miterlebt haben und mit denen wir eine schöne gemeinsame Zeit hatten, sind nun auch wieder in der Heimat. Vielen Dank an euch für eure Hilfe in den Tagen vor und nach der Geburt.

Auch in Chile ist die WM brandaktuelles Thema und nachdem am Montag Chile gegen Honduras 1 zu 0 gewonnen hat, waren die Chilenen außer Rand und Band. Als wir morgens hier das Fußballspiel sahen und das erste Tor für die Chilenen fiel, jubelte das ganze Haus. Noch bevor das Spiel zu Ende war, fuhren wir dann im Taxi zur deutschen Botschaft und selbst im Taxi fehlte nicht der Mini-Fernseher (der in Deutschland sicherlich verboten wäre), der weiter die Übertragung des laufenden Fußballspiels zeigte. Abends gab es eine riesige Party auf der Plaza Italia und alle Taxifahrer, mit denen wir unterwegs waren, sprachen uns auf die WM an. Am Montag den 21.06. spielt Chile erneut und wir drücken die Daumen, daß das 2. Spiel der Chilenen besser läuft, als das der Deutschen.. Zum Glück lässt unsere neue Chefin uns auch Fußball gucken und ist insgesamt ein traumhaft friedliches Mädchen. Nur manchmal, wenn wir ihr nicht schnell genug sind, dann kriegt sie die Krise und läuft Rot an. Also, müssen wir uns sputen, ihre Bedürfnisse umgehend zu erfüllen.

2 Kommentare zu “Unsere kleine chilenische Chefin…”

  1. Dirk sagt:

    Es war eine wirklich schöne Zeit mit Euch und wir sind sehr dankbar, dabei gewesen zu sein und Euch auf diesem nicht immer glatten Weg begleiten zu
    dürfen.Und das Größte war natürlich die Ankuft von Jonna Matilda , die uns
    sofort in ihren Bann geschlagen hat.
    Jetzt nach nur 10 Tagen haben wir schon Entzugserscheinungen und wir vermissen sie und Euch sehr.

    Dirk und Gudrun und Mapa

  2. Gudrun sagt:

    Nach meiner wunderbaren Erfahrung mit dieser neugeborenen Persönlichkeit kann ich mir gut vorstellen, daß ich doch noch eine Neuanstellung eingehe in Teilzeit bei der “kleinen chilenischen Chefin”………und noch dazu in guter großelte(ä)lterlicher Zusammenarbeit mit den so einmaligen und zuverlässigen hauptamtlichen JungkollegInnen Tatjana und Helge.
    Es war so einmalig bei euch und hoffentlich gibts bald ein Wiedersehen.
    Das wünsche nicht nur ich mir
    Gudrun

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