Torres del Paine
Nachdem ich die Pinguinkolonie in der Magellanstrasse besucht habe, ging es von Puerto Natales aus in den Nationalpark Torres del Paine. Dieser Park ist wohl das bekannteste Wandergebiet Chiles, gehört zum Welt-Biosphärenreservat von der UNESCO und wird somit auch von sehr vielen Touristen angesteuert. Verschiedene Touren erschließen dieses Gebiet. Die Infrastruktur aus Wanderwegen und Zufahrtsstrassen ist im Park gut ausgebaut, um den Besucherandrang zu bewältigen. Neben Tageswanderungen ohne Übernachtung gibt es die bekannte W-Wanderung (Dauer 3-4 Tage) und den Rundweg (Dauer 7-10 Tage). Alle Wanderwege sind bestens markiert und es ist zumindest auf der W-Wanderung, die ich gegangen bin, fast unmöglich sich zu verlaufen. Am Besuchereingang bekommt man eine kleine Wanderkarte mit den wichtigsten Informationen. Es ist also nicht nötig, sich vorher eine teure Wanderkarte zu kaufen. Auch wie im Reiseführer zu lesen ist, dass man nicht alleine gehen soll, halte ich zumindest in der Hauptsaison für übertriebene Vorsicht. Der Park ist so gut mit Wanderern gefüllt, dass man nie lange warten muss, bis jemand vorbei kommt. Übernachtet wird im Park entweder in den Refugios für sehr viel Geld oder man nimmt ein Zelt mit und übernachtet auf den Campingplätzen, teilweise sogar umsonst.
In Puerto Natales habe ich für drei Tage Verpflegung gekauft und mir in meiner Unterkunft Zelt und Isomatte ausgeliehen. Die Trinkwasserflasche kann im Park direkt an den Gebirgsbächen wieder gefüllt werden und heißes Wasser gibt es in den Refugios umsonst. Am nächsten Tag bin ich dann morgens um 7.30 abgeholt worden. Von meinem Hostal waren wir zu viert und wir vier wurden von 3 verschiedenen Busunternehmen abgeholt. Mit großen Reisebussen werden die Leute vor ihren Unterkünften eingesammelt und in den Park gefahren. Alle drei Busse waren voll besetzt und so kann man sich vorstellen, was für einen Besucheransturm der Park in der Hochsaison zu verkraften hat. Zum Glück dauert die Saison nur 3-4 Monate und danach kann sich die Natur wieder erholen. Viele Besucher fahren aber auch nur für einen Tag in den Park und der Rest der Wanderer verläuft sich ganz gut im Park.
Die W-Wanderung führte mich am ersten Tag zu den gigantischen Granittürmen „Los Torres”. Übernachtet habe ich im Campamento Chileno. Abends habe ich mir ein warmes Essen im Refugio gegönnt. An diesem Tag bin ich in 5 Stunden Gehzeit ca. 19km zurück gelegt. Nachts hat es angefangen zu stürmen.
Am zweite Tag bin ich dann bei blauem Himmel und viel Sonne vom Campamento Chileno zum Campamento Italiano entlang des türkisblauen Lago Nordenskjold gegangen. Der Wind hat an diesem Tag noch weiter zu gelegt und wehte mit Stärken von 8-9 Beaufort - leider kam er auch noch genau aus der Richtung, in die ich ging. In den Senken kam man gut voran, doch sobald man eine ungeschützte Stelle erreichte, trafen die heftigen Windböen einen mit voller Wucht. Einmal als ich beim Fotografieren etwas unaufmerksam war, hat es mich komplett mit meinem Rucksack doch glatt von den Füßen gerissen. Nachmittags, nachdem ich mein Zelt im Campamento Italiano aufgebaut hatte, habe ich mich um 17.00 dann noch auf dem Weg ins Valle Frances gemacht. Dieser Wanderweg führt durch eine märchenhafte Landschaft. Immer wieder eröffnen sich tolle Ausblicke auf den Glaciar del Frances, von dem manchmal unter lautem Donnern grosse Eisbrocken abbrachen. Um 20.30 war ich dann nach ca. 27km in 9,5 Stunden Gehzeit völlig fertig wieder zurück im Campamento Italiano. In dieser Nacht war das große Erdbeben, von dem ich auf meinem abgelegenen Zeltplatz nichts mitbekam.
Am dritten Tag bin ich vom Campamento Italiano über das Refugio „Paine Grande” bis zum Lago Grey und wieder zurück zum Refugio „Paine Grande” gewandert, von wo ich Abends mit Boot und Bus wieder nach Puerto Natales fuhr. Beim Refugio „Paine Grande” konnte ich meinen Rucksack zurück lassen, um von dort mit leichtem Gepäck bis zum Gletschersee Lago Grey zu wandern. Selbst im Sommer treiben hier große Eisberge auf dem Wasser. Nach 20km in 5,5h Gehzeit an diesem Tag wartete ich bei einem Kaffee im Refugio auf das Boot. Die Landschaft in diesem Park ist atemberaubend und wunderschön. Ein herrliches Wandergebiet, nur der starke patagonische Wind, der hier unvermittelt auf die Gipfel der Südkordillere trifft, macht das Gehen manchmal ein bisschen mühsam.
Als ich abends auf dem Boot mit anderen Reisenden ins Gespräch kam, hörte ich dann erst von dem schlimmen Erdbeben eine Nacht zuvor. Da das Boot wegen zu heftigen Windes nicht ablegen konnte, nutzte ich die Zeit, um im Refugio meine Mails zu checken. Zum Glück hatte ich schon eine Nachricht von Tatjana im Posteingang und war somit erst einmal beruhigt, daß ihr nichts passiert war. Trotzdem wollte ich so schnell es ging telefonieren. Die Katamaranfähre über den Lago Pehoe konnte erst um 23.00 ablegen. Die Anschlussbusse nach Puerto Natales warteten aber und so war ich dann erst Nachts um 2.30 an meiner Unterkunft. Zum Glück hatte der nette Leiter des Hostals von der Verspätung des Schiffes erfahren und erwartete mich schon. So stand ich wenigstens nicht vor verschlossener Tür. Morgens habe ich dann mit Tatjana telefoniert und beschlossen, dass ich versuche den nächsten Flug nach Puerto Montt zu nehmen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass alle Flüge für zwei Tage ausgesetzt wurden.
Zurück in Punta Arenas, wo sich auch der Flughafen befindet, fand ich mich am Montagmorgen zusammen mit 50 weiteren Leuten in dem Büro der Skyairline ein. Zum Glück bekam ich schon am Dienstag einen Flug zurück nach Puerto Montt. So, das war mein kleiner Ausflug in den Süden Chiles und einem etwas stressigem Ende mit viel Bangen und Hoffen.