Gestrandet in Santiago
Nun sind wir hier schon eine Weile in Santiago, richten uns ein, bereiten uns vor und genießen unsere schöne möblierte und ruhige Wohnung mitten im Zentrum von Santiago im Stadtteil Providencia. Wir haben einige kleinere Parks in der Nähe, die sich gut für einen kleinen Spaziergang eignen. Ansonsten machen wir nur noch kleinere Ausflüge, des öfteren mal einen Kinobesuch im nahe gelegenen Literaturcafé oder einen kleinen Ausflug zum Cerro de San Christobal, ein letztes Mal mit unserem Bus durch Santiago zu einem schönen Kunsthandwerkerdorf am Rande der Stadt, Besuche in Museen oder kleineren Ausstellungen, als auch regelmäßige Besuche in der Clinica Alemana prägen unseren Alltag.
Ja, die letzte Zeit in der Schwangerschaft ist dann doch etwas anstrengender, als wir uns das vorgestellt haben…aber das wird bald Vergangenheit sein und wir sind schon gespannt und voller Vorfreude auf die Kleine. Wir passen unseren Alltag den Umständen an. Toll ist, daß wir dennoch viele interessante und nette Begegnungen haben. Wir bekommen Besuch von Leuten, die wir auf unserer Reise durch Chile kennen gelernt haben und natürlich freut uns ganz besonders der Besuch Tatjanas Eltern, die den weiten Weg hierher angetreten haben, um bei der Ankunft ihres ersten Enkelkindes vor Ort zu sein. Mit ihnen verbringen wir gemeinsam schöne Stunden.
Von Puerto Varas sind wir vor ca. 6 Wochen mit dem Bus zurück auf der Ruta 5 nach Santiago gefahren. Zuerst haben wir kaum Beeinträchtigungen auf der Panamericana gespürt. Doch je näher wir an das Epizentrum des Bebens kamen, desto öfter wurden die Schäden an der Autobahn und Bauwerken sichtbar. Eingestürzte Fußgängerbrücken, Risse in der Fahrbahn, abgerutschte Berghänge oder machmal war sogar eine ganze Fahrbahn komplett abgesackt, so daß der Verkehr auf die Gegenfahrbahn umgeleitet wurde. Dort, wo die Baustellen immer häufiger wurden, musste man dann auch keine Mautgebühr mehr bezahlen. Leider hatten wir auf dieser letzten Fahrt noch eine Panne, bei der das Auto in die nächst gelegene Werkstatt abgeschleppt werden musste.
Unseren Bus mit dem wir durch Chiles Süden gereist sind, haben wir mittlerweile mit einem kleinen Verlust verkauft. Das macht aber nichts, denn wir sind erleichtert, da das Auto zum Schluss für uns nur noch ein Klotz am Bein darstellte. Hier in Santiago brauchen wir nicht wirklich ein Auto, da man überall gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hinkommt. Nur zur Rushhour sollte man das möglichst vermeiden. Die Metro ist dann so voll, daß die Leute wirklich sprichwörtlich mit dem Gesicht an der Scheibe kleben. Auch der Verkehr auf den Straßen morgens und abends ist ein einziges Stopp and Go. Steigt man auf den 400m hohen San Christobal, das ist so zu sagen der Stadtberg, dann sieht man von dort meist eine graubraune Luftschicht über der Stadt schweben - die Smogglocke von Santiago. Auf den Hügeln des San Christobal hat man jedoch das Gefühl fernab von all der Hektik und dem Lärm, den eine 6 Millionen Metropole verbreitet, zu sein. Das Tollste ist, das dieses Gebiet der Erholung nur 10min zu Fuß von uns entfernt ist. Der San Christobal und der anliegende Park Metropolitana sind ein herrliches Gebiet zum Spazieren gehen mit verschlungenen Pfaden und schön angelegten Gärten. Wir freuen uns dort auf unsere ersten gemeinsamen Spaziergänge zu dritt.
Mittlerweile sind wir schon erdbebenerprobt und die kleinen Nachbeben jagen uns keinen großen Schrecken mehr ein. Dennoch hätten wir beide keine Lust ständig mit dieser Gefahr, die ohne Vorankündigung und zu jeder Zeit ausbrechen kann, zu leben. Gerade vor drei Tagen hatten wir wieder ein Nachbeben der Stärke 5,9. Wir waren zu der Zeit gerade im Krankenhaus. Für 20sec. ächzte das große Gebäude. Man kann sich das vorstellen, als wenn man in einem Holzhaus sitzt, welches gerade von einer besonders starken Sturmböe erfasst wird - das Gebälk fängt dann an zu knacken und dazu kommt noch, daß der Boden ein bisschen wackelt.
Das Wetter wird hier in Santiago immer etwas kühler und die Blätter verfärben sich - der Herbst ist da. Kommt die Sonne raus, so haben wir aber noch angenehme 22 Grad. Im Juni soll hier die Winter-/Regenzeit beginnen - wir hoffen das die Sonne sich aber immer mal wieder blicken lässt, damit wir auch ein paar schöne Spaziergänge zu dritt machen können.
Unser Visum haben wir bei der Ausländerbehörde mal wieder um 90 Tage verlängert. Zum Glück gibt es hier in Chile den schönen Brauch, daß Schwangere, alte Leute oder Mütter mit Babys eine bevorzugte Behandlung bekommen. Als wir morgens um 8.30 dort auftauchten, warteten schon ca. 60 Leute auf die Öffnung der Schalter. Ein wichtig aussehender Herr dirigierte die Menschen von einer Sitzreihe zur nächsten. Alle aufstehen, und eine Reihe weiter nachrücken…das wurde mehrmals und für uns aus nicht gerade erklärlichen Gründen durch geführt, ohne das sich jemand beschwerte. Ich dachte nur, in Deutschland würde so etwas niemand mitmachen, da kommt man sich ja vor wie im Kindergarten. Wir konnten uns das von unserem Sitzplatz für bevorzugte Behandlung alles mit ansehen - so ein dicker Bauch kann auch Vorteile haben:-)
So, wenn wir das nächste mal hier schreiben ist der Bauch vielleicht schon Vergangenheit und wir sind zu dritt. Bis dahin liebe Grüße von uns,
Helge und Tatjana
Sonntag 9. Mai 2010 um 08:24
ich wünsche Euch für die letzten Tage bevor der kleine neue Erdenbürger da ist alles Liebe! geniesst Eure Zeit in Eurer tollen Wohnung.
Knuddel Jana
Sonntag 9. Mai 2010 um 15:33
Hihi, das klingt ja wie Reise nach Jerusalem spielen, und das auf nem Amt.
Nun, ich wünsche Dir auch alles Gute, genießt noch die Zeit zu zweit.
Freitag 21. Mai 2010 um 10:00
Hallo Ihr Lieben,
ich hab schon so lange nix mehr von mir hören lassen, werd dies aber nachholen… is versprochen Tatjana ;o)
Ist die Kleine mittlerweile schon da????? Bin ja mal gespannt wie ´n Flitzebogen!
Liebe Grüsse auch an Dirk und Gudrun, Euer Örnie