Chiloe

Jetzt auch mal wieder was Erfreuliches auf unserem Blog. Es ist zwar schon etwas her, aber vor dem Erdbeben waren wir ja noch ein wenig unterwegs. So haben wir einen Kurzausflug nach Argentinien gemacht, um unser Visum für Chile aufzufrischen, waren auf der Insel Chiloe und Helge ist danach noch für 12 Tage alleine Richtung Süden gereist. Chiloe ist eine Insel unterhalb von Puerto Montt auf der viele Chilenen einen Teil ihres Urlaubes verbringen, um die Ursprünglichkeit und das „einfache Leben” kennen zu lernen. Die Bevölkerung auf Chiloe ist sehr arm, die Arbeitslosigkeit ist hoch und der Alkoholkonsum ebenso. Seit Jahren liegt in den Schubladen der Regierung ein Plan für den Bau einer Brücke, die die Insel mit dem Festland verbinden soll.

Wie immer gibt es Pro und Contra bei solch großen Vorhaben und die Menschen auf Chiloe sind in zwei Lager geteilt. Die einen Befürworten den Bau, um endlich Anschluss an das Festland und die Wirtschaft zu bekommen, die anderen sehen die Ursprünglichkeit der Insel in Gefahr, welche ja gerade den Charme für einen Besuch ausmacht. Das Klima auf Chiloe ist eher feucht und die Niederschlagsmenge über das Jahr gerechnet sehr hoch.

Bei der Überquerung des Canals de Chacao mit der Fähre werden wir begleitet von Seelöwen, Pinguinen und sogar ein paar springende Delfine sind zu sehen. Als erstes Ziel auf dieser kleinen Insel steuerten wir Castro an. Die Straße schlängelt sich durch eine hügelige Wald- und Wiesenlandschaft. Tief hängende Wolken und ein frischer Wind machen das Wetter etwas ungemütlich, aber Hauptsache es regnet nicht und mit Musik macht das Fahren auch gleich noch viel mehr Spaß. An einem Straßenstand halten wir an und kaufen uns einen riesigen Topf Honig (1kg) für 4,-Euro. Nach einer Stärkung von unserem selbst gemachten Nudelsalat vom Vortag geht es weiter bis Castro. Ein kleiner verschlafener Ort, der vor allem bekannt ist für seine bunten Palafitos. Das sind bunt angemalte Holzpfahlbauten - den Bootshäusern in der mecklenburgischen Seenplatte nicht unähnlich. Bei Flut können die Fischer mit ihren Booten direkt unter die Häuser fahren. Auch die Kirchen sind auf Chiloe einmalig, da sie allesamt aus Alercenholz konstruiert sind. Einige von ihnen werden sogar nur durch Holzverbindungen zusammen gehalten. Die Alerce oder Patagonische Zypresse wächst nur im südlichen Chile und in einem angrenzenden Teil von Argentinien. Dieser Baum kann sehr hoch und alt werden. Das älteste bestimmte Exemplar ist mit 3622 Jahren, der zweitälteste bestimmte Baum der Welt. Früher gab es riesige Alercenwälder, die aber nach und nach abgeholzt wurden. Das rötliche Holz ist sehr witterungsbeständig und resistent gegen Insekten- und Pilzbefall. Daher wurde das Holz seit dem 18. Jahrhundert vor allem von europäischen Siedlern als Baumaterial verwendet. Seit 1977 ist jede Alerce in Chile zu einem Naturdenkmal erklärt worden, wodurch das Fällen strengstens verboten ist.

In Castro gibt es einen ganz netten Handwerkermarkt und viele Restaurants, in denen man Leckerreien aus dem Meer genießen kann. Hier hatten wir eine schöne Unterkunft mit Blick auf die Bucht, bei der wir allerdings Vormittags um 11.00 hinaus gebeten wurden, da die Zimmer sauber gemacht werden sollten. Wir hatten beim Skypen nicht auf die Checkoutzeit geachtet.

Von Castro ging es weiter nach Quellon, dem südlichsten Ort der Insel und den für mich südlichsten Punkt dieser Reise. Hier war ein kleines Denkmal für den Beginn oder das Ende der Panamericana, die wir mit unserem Bus ja nur ein kleines Stückchen auf der Ruta 5 in Chile gefahren sind. Ja, und dann waren die paar Tage auf Chiloe auch wieder wie im Fluge vergangen und es ging zurück nach Puerto Varas, wo ich ein paar ruhige schwangerschaftsfreundliche Tage verbringen wollte, während Helge nochmal für 2 Wochen weiter Richtung Süden fährt. Ich wäre gerne noch weiter mitgekommen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon recht hoch schwanger war und die medizinische Versorgung weiter unten nicht mehr so gut ist, haben wir uns dafür entschieden, dass Helge alleine fährt. So hat wenigstens einer von uns die Chance, mehr von Chiles Süden zu sehen.

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