Chillen in Chillan ….oder Streß mit Chiles Behörden?
Ja, nun haben wir hier auch schon ein Weilchen nicht mehr hineingeschrieben, aber das hatte auch seine Gründe… und zwar sind wir nämlich tief eingetaucht in Chiles Behördenwahnsinn.
Wie es dazu kam, versuche ich hiermit einmal kurz und verständlich zu berichten. Es begann alles ganz harmlos in Santiago. Dort haben wir unter anderem noch den Cerro San Cristobal besucht und sind mit der Funicular (Standseilbahn von 1923) vom Plaza Caupolican hinaufgefahren, um anschließend dann die Virgen de la Immaculada Concepcion zu bestaunen, eine riesige 36 Tonnen schwere Statue, die mit ihren 14 Metern Höhe über Santiago wacht. Anschließend sind wir gemütlich den Cerro hinuntergelaufen. Wir waren glücklich, dem Trubel, der dort oben auf dem Berg herrscht, ein wenig zu entkommen, da kaum jemand zu Fuß geht.
Nachdem wir dann endlich alle organisatorischen und persönlichen Dinge, die wir noch in Santiago regeln wollten und mussten, erledigt hatten, waren wir ja dann endlich wieder mit unserem Grace Minibus unterwegs gen Chiles Süden. Wir kamen sehr gut voran auf der Autopista und nach einer Nacht auf einer Estacion de Descansar - auf Deutsch einem Autorastplatz - fuhren wir weiter Richtung Süden. Die Autopista führte uns zwischenzeitlich durch riesige Weinanbaugebiete, wofür Chile ja auch bekannt ist. Auf einer Rasthaltestelle bei einem kurzen Zwischenstopp mussten wir allerdings die Feststellung machen, dass wir unsere Autopapiere nicht mehr finden konnten. Wir fingen an, wie wild zu suchen, alle vorherigen Stationen im Kopf erneut abzuklappern und stellten das Auto auf den Kopf, doch wir wurden nicht fündig. Das Problem, was wir hiermit hatten, war eindeutig. Ohne Papiere, keine Weiterfahrt, da verboten… So entschieden wir uns kurz entschlossen nach einem Blick auf die Strassenkarte, in die nächste Stadt zu fahren, um dort zu überlegen, wie wir weiter vorgehen sollten. Diese Stadt war dann Chillan. Bekannt durch ihre Thermalbäder…und ansonsten noch durch den berühmten Pianisten Claudio Arrau, dem auch in dieser Stadt ein tolles, interaktives Musikmuseum gewidmet ist.
In Chillan angekommen, eine Unterkunft gefunden, sind wir direkt zu Chiles Carabineros gegangen, nachdem wir erneut das Auto und unser gesamtes Gepäck erfolglos durchsucht hatten. Ja, und hier begann dann für uns die „Schnitzeljagd” durch Chiles Behördenapparat, die für Helge sogar eine Reise mit der Bahn in das ca. 600km nördlich gelegene Santiago bedeutete. Dabei ist „Schnitzeljagd” eigentlich viel zu freundlich ausgedrückt, denn wir liefen wirklich von Pontius nach Pilatus, einige Beamten waren dabei wirklich nicht sehr freundlich, geschweige denn hilfsbereit. Und die Tatsache, dass wir ganz offensichtlich Ausländer sind, die sprachlich noch ein wenig Entgegenkommen (langsame und deutliche Aussprache zum Beispiel…) des Gesprächspartners benötigen, wurde ganz einfach ignoriert und es wurde in den meisten Fällen schnell und undeutlich gesprochen. Aber wir haben auch viele hilfsbereite Menschen getroffen, die sich Zeit für uns genommen haben. So erfuhren wir nach mehreren Besuchen in unterschiedlichen Institutionen in Chillan nach langem Hin und Her, dass wir die Permiso de Circulation, also die Fahrerlaubnis, nur in Santiago erhalten könnten. Alle anderen erforderlichen Papiere, wie zum Beispiel die Revision de Tecnica, eine Notarielle Bestätigung über den Verlust der Papiere, sowie eine Bestätigung bei dem Registro Civil für die Erlaubnis einer erneuten Duplikation der Papiere, hatten wir bis dahin dann schon in Chillan erhalten. Dennoch blieb uns somit nichts anderes übrig, als nach Santiago zu fahren, um die Permiso de Circulation zu erhalten. Wir entschlossen uns, dass nur Helge mit der Bahn nach Santiago fahren würde und ich in Chillan dann mit unsrem Grace Minibus auf ihn warte.
Helge ist dann mit der Bahn direkt am Tag der Stichwahlen nach Santiago gefahren, und erzählte, dass in der Hauptstadt selbst wohl der Bär los gewesen ist. Gesagt, getan, wir telefonierten viel in diesen drei Tagen, um uns auf dem Laufenden zu halten. Zum Glück hatten wir uns in Santiago zwei Prepaidhandys gekauft, mit denen man untereinander kostenlos telefonieren kann. Helge erhielt die Kopie der Permiso de Circulation bei dem Notar, wo wir das Auto damals gekauft hatten. Dort wurde festgestellt, dass der vorherige Besitzer des Autos, diesen damals in Calama, also hoch oben im Norden Chiles gemeldet hatte. Daraus ergab sich dann das nächste Problem, da nur dort eine erneute Beantragung genau dieses Papieres erfolgen kann. Dies würde eine weitere lange Reise bedeuten. Naja, ein elendiger Rattenschwanz, wo sich die Behörden beißen und nicht miteinander vernetzt sind. Faxen oder ähnliches sei auch nicht möglich und so entschieden wir uns, dass Helge kurzum wieder nach Chillan zurückkommen würde und wir dann einfach weiterfahren. Die Kopie der Permiso de Circulation haben wir ja nun und bei einer Kontrolle auf dem Weg Richtung Süden müssen wir sonst den Beamten unser Problem schildern.
Ja, so kanns gehen und letztendlich haben wir uns das ganze ja schließlich selber eingebrockt. Diese ganze Behördenlauferei war sehr nervenaufreibend und stressig, dennoch sind wir froh, dass wir keine ernsthafteren Probleme haben. Die Permiso de Circulation muß dann eben ein wenig warten, bis wir sie in Calama, hoch oben im Norden Chiles erneut beantragen und abholen können. Wir haben in Chillan dennoch einen ganz schönen Besuch im Museum von Claudio Arrau gehabt, einem interaktivem Musikmuseum, welches aus dem Leben vom Pianisten Arrau berichtet und einem Musik quasi hautnah näher bringt. So saßen wir dort in einem Resonanzkörper einer Riesengitarre, während die Saiten dieses Instrumentes angeschlagen wurden. Ein betörender Sound…. Fotos seht ihr im Anhang.
Naja, wir freuen uns nun über unsere geplante Weiterfahrt gen Süden und sind gespannt auf etwaige Polizeikontrollen…:-)
Donnerstag 21. Januar 2010 um 02:11
Nice, nice…die Behörden sind doch überall die gleichen…am Besten man hat einfach überhaupt nichts mit ihnen zu tun…mal gucken was ich dann mit ihnen erleben werde
Weiterhin alles Gute bei der Reise…
Nathalie aus Whistler (im Moment noch, hehe)
Samstag 23. Januar 2010 um 20:02
Hi ihr zwei, hoffe ihr erinnert euch noch, helge, vulkanbesteigung in guatemala ! leider bin ich seit meiner rückkehr in deutschland doch viel beschäftigt gewesen,…. tatjana, man sieht ja doch schon einiges mehr
hoffe euch geht´s gut und ihr könnt trotz behörden kram die reise geniessen.
Alles Gute für Euch! Liebe Grüße, Ingrid
Montag 25. Januar 2010 um 14:25
…uiii solche stories kenne ich von reisen, in denen ich auch schon papiere verloren habe, nun ja es ist ja alles gut ausgegangen und ihr seid wieder an tollen orten untterwegs. lassts euch gut gehen.
bussi jana