Ausflug nach Bariloche - Argentinien
Unser erster großer Ausflug zu dritt ging nach Bariloche in den nordpatagonischen Teil Argentiniens. Dabei haben wir gleich unsere Visa ein letztes Mal erneuert. Im Nachtbus mit komfortablen Liegebetten haben wir die Reise in den Süden angetreten. Unsere Spannung, wie wir auf unserem ersten Trip zu dritt zurecht kommen würden, war groß. Wie verhält Jonna sich, wenn wir mit ihr unterwegs sind und sie nicht mehr ihre gewohnte Umgebung um sich hat. Haben wir auch an alles gedacht… Unser Gepäck verteilte sich in etwa zu 2/3 auf Jonna und zu 1/3 für uns beide. Naja, wir nehmen zuerst lieber mal eine Tasche mehr mit und entscheiden nach unserer Rückkehr, was wir beim nächsten Mal zu Hause lassen können.
Als wir abends mit Jonna in den Nachtbus einsteigen, sitzt neben uns ein Mann, dessen Blick uns verrät, dass er nicht damit rechnet, in dieser Nacht viel Schlaf zu bekommen. Am nächsten Morgen in Puerto Varas angekommen, ist er aber gesprächiger, da er doch unerwartet viel schlafen konnte. Er hat uns erzählt, dass er selber 4 Kinder hat und Jonna ein sehr ruhiges Baby ist. Wir sind auch froh, dass die Kleine die Nachtfahrt gut mitgemacht hat. Dafür haben ihre Eltern aber etwas kleine Augen. In Puerto Varas, wo Tatjana das Erdbeben erlebte, wollen wir Mirtha, die in dieser Zeit so um Tatjana besorgt war und sich gekümmert hatte, einen kurzen Besuch abstatten. Wir
hatten ihr damals versprochen, nochmal vorbei zu kommen, wenn Jonna Matilda auf die Welt gekommen ist. Die Verhältnisse in denen sie lebt, sind eher depremierend, aber sie freute sich doch sehr, dass wir sie besuchen kamen. Zum Glück, dass wir nur eine Nacht in ihrer klammen, kalten Unterkunft übernachteten. Wir waren froh, dass sie einen kleinen Gasofen hatte, den sie uns ins Zimmer stellte. Einen Teil ihrer Hospedaje hatte Mirtha nun ganz neu an eine sehr nette junge Frau vermietet, die dort einen kleinen Laden mit Kunsthandwerk und Stricksachen eröffnen will. Den Laden hat sie nach einer Legende aus Chiloe benannt, die den Fischern von dieser chilenischen südlichen Insel Glück bringen soll. Pincoya nennt sich diese Legende und auch das damit verbundene Glück. Dort hat Mirtha symbolisch für unsere kleine Jonna noch ein paar erste Schühchen erworben, das erste Geschäft in diesem neuen, ganz schönen Laden, dem wir sehr viel Glück wünschen. In die Schühchen muss Jonna allerdings noch hineinwachsen.
Tagsdarauf verlassen wir Puerto Varas früh morgens und steigen in den Bus nach Bariloche (Argentinien). Die Busfahrt dauert sechs Stunden und führt durch eine traumhafte Landschaft. Wir fahren durch patagonischen Regenwald, enge Täler mit glassklaren Gebirgsflüssen und an Seen mit einer tollen Gebirgskulisse im Hintergrund vorbei. Der Pass ist vom Schnee frei geräumt, an den Strassenrändern sieht man aber bis zu 2 Meter hohe Schneewehen. An der chilenischen und argentinischen Grenzstation sind wir die ersten - dank Jonna - die ihren Stempel im Pass haben und wieder im warmen Bus sitzen können. Von der Kinderfreundlichkeit hier könnte man sich in Deutschland eine grosse Scheibe abschneiden. Wenn Jonna nicht gerade schläft, trinkt oder auf dem Schoß von uns gewickelt wird, schaut sie mit offenen, grossen Augen aus dem Fenster. Sie macht das alles wunderbar mit, ohne viel zu quengeln. Nachmittags kommen wir in Bariloche an. Schnee mit Hagel vermischt und ein eisiger Wind empfangen uns in Patagonien. Wir nehmen uns mit unseren 5 Gepäckstücken ein Taxi zu unserem Hostel „El Gaucho”. Unser vorher reserviertes Doppelzimmer mit Bano privado im Dachgeschoss ist gemütlich, sauber und das Wichtigste: schön warm, dank einer Heizung. Das nette Hostel wird von einem Deutschen und einer Argentinierin geleitet, hat schön eingerichtete Gemeinschaftsräume und zwei Küchen für die Gäste. Die Atmosphäre ist sehr angenehm und entspannt. Am nächsten Tag nach unserer Ankunft ist herrliches Wetter. Blauer Himmel und Sonnenschein bei ca. 0 Grad machen Lust auf einen Erkundungsgang. Früh morgens und nachts kühlte es allerdings auf Temperaturen bei Minus 8 Grad ab. Im Zentrum ist ordentlich was los. Schokoladengeschäfte wechseln sich ab mit Outdoorläden und Restaurants. Besonders fällt die hübsche, rustikale Architektur des Centro Cevicio ins Auge. Die Gebäude sind mit viel Holz und groben Steinen gebaut - siehe Fotos. Die eigentliche Attraktion ist aber die Landschaft. Der riesige Lago Nahuel Huapi bildet viele Buchten und verzweigte Fjorde, die in die schneebedeckten Berge hinein reichen. Die wald- und seenreiche, gebirgige Landschaft lädt zum Wandern, Ski fahren, Angeln, Bergsteigen und paddeln ein. Wir fahren mit dem Bus aus der Stadt heraus zum Cerro Campanario. Im Bus bekommt Nana, die Jonna im Tragetuch trägt, sofort ein Sitzplatz angeboten. Nach einer halben Stunde Fahrt steigen wir bei km 17 aus und fahren ganz komfortabel mit der Seilbahn auf den Gipfel. Oben eröffnet sich uns eine spektakuläre Aussicht auf die Umgebung.
Nachdem wir Jonna hier oben in einem Cafe mit traumhaftem Panoramablick versorgt haben, gehen wir noch ein bißchen spazieren und fahren anschliessend mit der Seilbahn wieder hinunter. Ein paar Tage bleiben wir in Bariloche, dann verlassen wir Argentinien wieder auf dem selben Weg, den wir gekommen sind. Bei den chilenischen Zollbeamten mache ich mich noch unbeliebt, da ich einen Apfel und ein Käsebrot nicht deklariet habe. Die Chilenen haben panische Angst, dass irgendwelche Krankheiten in ihr Land eingeschleppt werden könnten. Daher darf man keine pflanzlichen oder tierische Produkte einführen. Das kuriose dabei war, dass der Apfel sogar aus Chile kam, und ich ihn sozusagen eigentlich nur wiedereingeführt hätte. Die Zollbeamten drückten trotz ihres Ärgers noch mal ein Auge zu - vielleicht weil sie die Sachen im MaxiCosi gefunden haben - und so blieben mir die 200,-USD Bußgeld erspart. Die Chilenischen Spürhunde haben sogar Jonnas dreckige Windeltüten im Bus zerfetzt. Nach 5 Stunden Busfahrt steigen wir in Osorno aus, um von hier mit dem Nachtbus zurück nach Santiago zu fahren. Leider haben wir 8 Stunden Aufenthalt, bis der Nachtbus nach Santiago fährt. Diese Zeit verbringen wir in einem Restaurant/Cafe im riesigen Jumbo-Supermarkt. Die Nachtfahrt verläuft wieder ohne Probleme. Jonna gibt kaum einen Laut von sich und schläft auf unseren Armen, wenn sie nicht gerade trinkt. Der Ausflug tat uns gut und wir freuen uns schon auf unseren nächsten Trip nach Buenos Aires und dann natürlich, wenn wir hier endlich die Zelte abbrechen und Richtung Karibik fliegen. Gelernt haben wir aus unserem ersten Ausflug, dass wir lange Aufenthalte vermeiden sollten und dass alles noch ein bißchen einfacher werden würde, wenn wir ein Gepäckstück weniger dabei hätten. Aber im grossen und ganzen ist unser kleines Fräulein Wunder nun ein reise erprobtes Baby, mit dem wir gut unterwegs sein können und das stimmt uns doch sehr glücklich.
Mittwoch 11. August 2010 um 13:03
Grüße vom sommerlichen Wilden Kaiser von Tirol in die Winterberge von Santiago!
Mit den allerallerbestenbesten Wünschen für weitere Ausflüge und Reisen mit eurem erdbeben- und reiseerpprobten Jonnawunderbarbaby, das wie die Landschaft alle Facetten zeigt.
Danke für die schönen Bilder!
Gudrun